Eigentlich hatte ich vor, heute ein Rant über moderne Technik zu schreiben, da ich in den letzten Stunden mit Google-Konten, Synchronisierungen, Mobiltelefonen und diversen Netzwerkeinstellungen zu kämpfen hatte. Und natürlich auch mal wieder mit der Frage nach dem richtigen Betriebssystem. Doch ich denke, das überlasse ich lieber anderen. *(Dies ist eine Fußnote, bitte folgen!)

Ich habe festgestellt, dass sich meine Aktivität, was das Blogschreiben betrifft, in der letzten Zeit ziemlich reduziert hat. Das mag am erhöhten Termindruck in den letzen Wochen liegen (Was mir, etwas reflektierend betrachtet,  jedoch eher wie eine passende Ausrede vorkommt), vor allem aber an der steigenden Zahl meiner Tweets. Twitter läuft nebenbei, sobald mir etwas in den Sinn kommt, habe ich es auch schon geschrieben. Verschenke ich meine Ideen an Twitter? Oder handelt es sich dabei um das ideale Medium, meiner Schreibweise gerecht zu werden, meine Gedanken zum Ausdruck zu bringen? Auch einige meiner Blogeinträge bestehen aus einer Aneinanderreihung kurzer, scheinbar nicht zusammenhängender Sätze. Einige betrachten das Twittern ja auch als Kunst. In 140 Zeichen alles zu sagen, was man der Welt mitteilen möchte. Daraus entstehen sogar lesenswerte Bücher.

Aber ist es nicht genau das, was wir vermeiden sollten, um unsere Sprache zu erhalten? Kurze, abgehackte, „digitale“ Sätze? Ist nicht genau das, was wir früher einmal an guten Romanen geliebt haben der verspielte, ausgeschmückte Schachtelsatz? Ist er in unserer hektischen, elektronischen Welt vom Aussterben bedroht? Ich finde, wir sollten in pflegen. Ihn wieder beleben. Ja, ich bin für die Erhaltung des Schachtelsatzes. Deshalb werde ich auch versuchen, ab heute wieder mehr Texte zu schreiben. In mein Blog. Auf Blöcke. Twitter mit unbegrenzter Zeichenanzahl. Ein Traum eigentlich.

Ich bin gerade von der Arbeit nach Hause gekommen, sitze auf dem Parkplatz vor dem Haus im Auto und schreibe auf einem schon ziemlich überfüllten Blatt Papier, das Lenkrad ist meine Unterlage. Dieser Text ist auf der Fahrt zwischen Büro und Zuhause entstanden. Während ich Auto fahre, habe ich keine Möglichkeit, Tweets abzusenden, ich bin also gezwungen, mir alle Gedanken, die ich zu Papier bringen möchte, zu MERKEN und sie später aufzuschreiben. So ist es dann noch mal wieder zu einem zusammenhängenden Text gekommen. Ich werde wohl jetzt bald mal hochgehen und mich an meinen Rechner setzen, der Nachbar kuckt schon ganz neugierig. Vielleicht werde ich ja als erstes einen Tweet über ihn schreiben, bevor ich diesen Text in mein Blog übertrage. Dann habe ich vielleicht auch die nötige Ruhe, den ein oder anderen Satz noch etwas auszuschmücken, zu verschachteln.

TWEET Die Frau im Wagen vor mir bohrt in der Nase und sieht sich das Ergebnis an. #Hall_of_Fame

TWEET Warum brauche ich für meinen Ausweis ein Biometrisches Bild, wenn Gesichtserkennung über facebook-Schnappschüsse möglich ist?

TWEET Sitze vorm Haus im Auto und schreibe. Der Nachbar scheint fasziniert zu sein. Mist, der Bleistift ist schon ganz stumpf. #Was_macht_die_da?

Alles in Allem bin ich zu dem Schluss gekommen, dass beides wichtig ist. Lange, wohlüberlegte Sätze und kurze Statusnachrichten. Beides zu seiner Zeit. Beides hat sein Gutes. Ab und zu muss man eben schnell etwas loswerden. Nicht ohne Grund ist Twitter die schnellste und effizienteste Form der Nachrichtenübertragung. Es warnt vor Erdbeben, Stürmen und Prüfungen. Und ab und zu möchte man sich Zeit nehmen, gezielt recherchieren, sich Gedanken machen, Sätze ausschmücken und einen Text bis zum Ende perfekt ausformulieren.  Das Wichtigste ist, dass man niemals aufhört zu schreiben. Auch wenn man das nur für sich selbst tut. Mit Schreiben lassen sich prima die Gedanken ordnen. Man kann seinem Ärger Luft machen, dem Alltag entfliehen und große Gefühle zum Ausdruck bringen. Das schönste Gefühl ist doch immer noch, wenn man gar nicht schnell genug schreiben kann, weil man die nächsten drei Sätze schon ausformuliert vor sich sieht und sie dann am Ende doch wieder ganz anders aussehen.

Hier noch ein paar schöne Worte, die mich unlängst auf einer Postkarte erreichten, die schon als verloren geglaubt war:

The Unknown

Do you exist my pretty bird
Flying above the snow?

Are you actually flying 
Or do I imagine it so?

Detail of wing and breast
Unquestionably there –

Or do I merely thing you
Perfect in Mid Air?

W. C. Williams

Die Postkarte

Den Zettel, auf dem dieser, zugegeben etwas emotionale, Schachtelsatz entstanden ist, musste ich natürlich auch fotografisch festhalten:

Der Zettel

Der Zettel

Und schließlich und endlich noch das Partywissen, welches ich mir, zwecks Aneignung vor ein paar Tagen auf  dem Zettel notiert hatte:

Fulda                    106.000
Würzburg            133.000
Regensburg        135.520
Augsburg            265.000
Nürnberg            500.000
Stuttgart              600.000
Hamburg         1.800.000
München         2.600.000
Berlin                3.500.000
Los Angeles    3.831.868
London            7.825.200
Istanbul         13.200.000
New York      18.900.000 

Das war´s jetzt aber für heute, erst wochenlang nichts und dann so ein Redeschwall. Sicher ist das jetzt ein ziemliches Durcheinander, das sind die Dinge, die ich in den letzten Tagen zusammengetragen habe. Recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit an alle, die bis hierhin durchgehalten haben. Ich hoffe, wir lesen uns bald wieder, vielleicht ja auch bei Twitter. Als Belohnung für´s Lesen gibt es noch die Musik, die mich in den letzen Tagen beschäftigt hat:

STAR ANNA & THE LAUGHING DOGS live on KEXP

*Vielleicht wird zum Thema Technik sogar demnächst ein Gastbeitrag von einem versierten Softwareprogrammierer, passionierten Apple-User und Musikliebhaber hier in meinem Blog erscheinen, man darf gespannt sein.