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    Post-Everything Band Mantis

    "Wir lieben das Dunk!team"

    Interview von Anne
    28.12.2020 — Lesezeit: 6 min
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    Post-Everything Band Mantis

    Mantis bezeichnen sich selbst als "Post-Everything" Band. Ich finde, das beschreibt ihre Musik ziemlich perfekt. Am 27. November haben sie ihr neues Album "Glint" veröffentlicht. Ich hatte jetzt die Gelegenheit, mich mit der Band darüber auszutauschen.

    Das Projekt aus Belgien hat bei Dunk!records unterschrieben. 2016 veröffentlichten sie zu dritt zwei EPs. 2017 kam dann ein neues Bandmitglied dazu.

    Inzwischen komplett, begannen sie ihr Debütalbum "Magnolia" aufzunehmen. Mit einem Koffer voll Musik und Inspiration spielten sie Festivals wie Dunk!, Roadburn, Rock Herk und Vivid und ließen ein sprachloses Publikum zurück.

    Als ich mir ihre Live Show vom Dunk!festival 2019 anschaute, fing auch mein Herz an, für Mantis zu schlagen. Als ich dann vor Kurzem herausfand, dass es ein neues Album geben würde, machte mich das mehr als glücklich. Eine der Vorauskopplungen von "Glint" schaffte es auf die "12 Songs für den Dezember" Playlist. Zwei Tage später erschien dann "Glint" bei Dunk!records.

    Es gibt zusammengefasst eigentlich nur eins, das ich über die Band sagen kann: Wenn Ihr Ihre Musik noch nicht kennt, hört sie Euch an. Am besten jetzt sofort!

    Anne: Hi! Danke, dass Ihr Euch die Zeit hierfür nehmt! Wie geht es Euch im Moment?

    Remote Bandtreffen

    Mantis

    Mantis: Uns geht es der Situation entsprechend gut. Ehrlicherweise wären wir glücklicher, wenn wir uns wieder persönlich sehen könnten, statt nur über Microsoft Teams. Wir vermissen uns nämlich gegenseitig. Im Moment gibt es eine Menge Gaming, Netflix und Rumhängen auf der Couch.

    Anne: Ihr habt gerade Euer zweites Album "Glint" veröffentlicht. Gratulation dazu! Es ist wundervoll! Seit Ihr mit dem Ergebnis Eurer Arbeit zufrieden?

    Mantis: Um ehrlich zu sein, waren wir nie zuvor so glücklich mit einer Veröffentlichung, wie dieses Mal. Natürlich sollte man sowas sagen, aber wir meinen es ernst. Wir lieben es, wie die Platte aussieht. Vielen Dank an dieser Stelle an die tollen Leute von Dunk!records!

    Diesmal hat sich einfach alles perfekt ergeben: Das Artwork von der talentierten Fotografin Giulia Sebastiani, das Grafik Design von unserem Robin Todde und der Silkscrenn Print auf der D-Seite.

    Abgesehen davon, wie sie aussieht, kann man die harte Arbeit, die wir hineingesteckt haben, auch hören. Wir waren im Studio viel fokussierter und ich glaube, unser Songwriting ist deutlich besser geworden.

    Anne: Was ist Euer Lieblingssong auf "Glint" und warum?

    "Wir haben alle unterschiedliche musikalische Backgrounds"

    Robin: Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten. Das ist von Bandmitglied zu Bandmitglied unterschiedlich. Für mich wäre es "High Drought/Low Well", wegen Laura Tavorminas Cello. Und der Hauptriff, der einem durch Mark und Bein geht.

    Ruben: Für mich ist es "Altamont", weil ich finde, dass Dich das Stück auf eine Reise führt. Außerdem liebe ich Den Gesang.

    Filip: Mein Favorit ist "Stereo No Aware", weil ich den Groove mag. Aber ich denke, das kommt auf die Stimmung an. An manchen Tagen gefallen mir andere Songs auf dem Album besser.

    Anne: Ihr habt erzählt, dass Ihr das Schwindelgefühl von As I Watch You From Afar und die Brutalität von Russian Circles genauso mögt, wie den leichten Funk von LCD Soundsystem. Wenn ich mir Eure Songs so anhöre, kann das so unterschreiben. Würdet Ihr sagen, dass diese Musiker*innen Eure größten Einflüsse sind? Gibt es noch andere, die für Euch wichtig sind?

    "Wir mögen Caspian, Converge und Alcest"

    Mantis: Wir haben alle verschiedene musikalische Hintergründe und wir mögen eine Menge unterschiedliche Bands. Du hörst sie vielleicht nicht direkt aus unserer Musik raus aber ich denke, dass es auf die eine oder andere Art dennoch all diese Einflüsse in unsere Musik geschafft haben. Wir haben mal alle Bandmitglieder nach ihren "Einflüssen" gefragt. Anschließend hatten wir eine abwechslungsreiche Liste mit Bands wie Caspian, Frank Ocean, Converge, Wilco und Alcest.

    Anne: Ihr habt einen Teil Eures neuen Albums gemeinsam mit Eurem ehemaligen Bassspieler Jurgen geschrieben. Später kam dann Euer neuestes Mitglied Thomas dazu. Ich kann es mir sehr inspirierend vorstellen, in den unterschiedlichen Phasen der Entstehung einer Platte so viele unterschiedliche Perspektiven zu haben. Hatte die Zusammenarbeit einen besonderen Effekt auf Euer Album?

    Mantis: Es ist wirklich sehr inspirierend. Wir wollen außerdem eine Umgebung schaffen, in der es jemandem, wie Thomas, der noch ganz frisch bei uns ist, die Möglichkeit zu geben, unserer Musik seine Perspektive mitzugeben. Wir hatten das Studio bereits gebucht, bevor er dazugekommen ist, darum hatte er in diesem Fall nicht wirklich eine Wahl. Aber als er bei uns ankam, hatte er bereits eine ziemlich feste Vorstellung von der Musik, die wir bereits geschrieben hatten. Wir denken, dass das der Unterschied zwischen Jurgen und Thomas ist. Jurgens Fokus lag mehr auf einzelnen Zeilen innerhalb der Songs, während Thomas vielleicht zwar noch ein bisschen formbarer war, sich aber mehr auf das Gesamtbild der Platte konzentriert hat.

    Anne: Wessen Stimme ist das im Song "Altamont"?

    Auf dem Dunk!festival herrscht eine tolle Atmosphäre

    Mantis: Das ist unser guter Freund Jacques Nomdefamille. Er ist Bassist und Sänger bei Heisa. Sie haben während des COVID Lockdowns auch eine neue Platte veröffentlicht. Hör am besten mal rein!

    Anne: Ihr habt 2019 auf dem Dunk!festival gespielt. Ich habe mich mit Andrew von Solkyri über die besondere Atmosphäre unterhalten. Wir waren uns ziemlich einig, dass wir beide das Festival lieben. Ich mag die Leute, das Essen und die Mittagspausen mit den Bands in der Jugendherberge. Jeder ist so nett und zuvorkommend und die Stimmung ist einfach klasse. Was meint Ihr, was das Event so einzigartig macht? Was unterscheidet es von anderen Festivals?

    Mantis: Die gesamte Atmosphäre macht es zu so einem großartigen Festival-Erlebnis. Man kann fühlen, dass auf dem Dunk!festival echt Musikliebhaber sind. Es ist nicht nur eine Ausrede dreckig und betrunken zu werden. Uns ist das besonders aufgefallen, als wir 2019 den Opener gespielt haben. Unsere bisherige Festivalerfahrung hatte uns gezeigt, dass die Bands, die ein Festival eröffnen normalerweise nur wenig Publikum haben, aber auf dem Dunk! war das Zelt voller Leute. Nach unserem Auftritt zog dann die ganze Meute zum nächsten Konzert rüber zur Waldbühne. Das ist ein großartiges Gefühl für eine*n Künstler*in. Außerdem haben wir die 1980er Jahre Musik, die die Dunk!fries Jungs in den Pausen gespielt haben, sehr genossen.

    Anne: Werden wir Euch dort 2021 oder 2022 wiedersehen? Also wann immer COVID uns wieder erlaubt, Festivals zu besuchen?

    Mantis: Ob als Besucher⋆innen oder als Künstler⋆innen: Wir werden definitiv beim nächsten Dunk!festival dabei sein!

    Anne: Arbeitet Ihr gerne mit dem Dunk!team zusammen?

    "Wir versuchen uns alle zu beschäftigen"

    Mantis: Es ist großartig. Sie haben uns bei dieser Platte wirklich verwöhnt. Unser Produzent Hannes ist Teil der Dunk!familie und wir haben das Gefühl, dass er auch ein Teil unserer kleinen Bandfamilie geworden ist. Wir haben immer produktive, betrunkene und lustige Zeiten mit Hannes. Er ist einfach der Beste.

    Anne: Eine Mantis oder Praying Mantis (Gottesanbeterin) ist ein ganz besonderes und kraftvolles Insekt. Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, Euch ihren Namen zu geben? Hat er eine besondere Bedeutung für Euch?

    Mantis: Für uns hat er keine besondere Bedeutung. Es ist einfach der Name, auf den wir uns als erstes geeinigt haben. Nach einer Weile fanden wir dann heraus, dass es niederländisch ausgesprochen wird. Also "Man-tis", wie im deutschen Wort "Mann" und nicht "Men-tis".

    Anne: Wie verbringt Ihr Eure Zeit, jetzt, da wir uns alle im Lockdown befinden? Ich habe diese bunten Bilder von kreativen Musiker⋆innen im Kopf, die in ihren Heimstudios sitzen und permanent neue Musik produzieren. Vermutlich ist es nicht ganz so rosig, oder?

    Mantis: Wir versuchen uns alle auf unsere Art zu beschäftigen. Jeder nimmt seinen Möglichkeiten entsprechend neue Ideen auf und wir versuchen es dann einzubeziehen, wenn wir unsere nächste Platte machen. Nicht alle von uns haben Zugang zu einem (Heim-)Studio oder Aufnahmeequipment. Aber wir versuchen, kreative Lösungen, wie zum Beispiel das Sampling zu nutzen. Wir haben während des ersten Lockdowns zum Beispiel auch eine Social Distancing Live Session aufgenommen. Du kannst sie Dir hier anschauen:

    Anne: Vermisst Ihr die Live-Konzerte und das Touren sehr?

    "Es fühlt sich seltsam an, keine Konzerte geben zu können"

    Mantis: Ja, natürlich. Es ist das, was wir am Bandleben am meisten mögen. Es fühlt sich seltsam an, eine Platte zu veröffentlichen, ohne die Möglichkeit zu haben, sie live zu promoten. Wir können die Rückkehr der Live-Konzerte wirklich kaum erwarten!

    Anne: Wann habt Ihr das letzte Mal live gespielt?

    Mantis: Wir hatten das Glück, zwischen den Lockdowns ein Konzert spielen zu können. Das war im Muziekodrom, der besten Konzerthalle überhaupt. Es hat sehr viel Spaß gemacht, aber es hat sich trotzdem seltsam angefühlt, besonders für unsere Art von Musik. Wir machen keine Musik zum gemütlich hinsetzen und an einem Drink nippen. Wir hoffen also, dass sich die Gesamtsituation so schnell wie möglich wieder normalisiert.

    Anne: Ein neues Bandmitglied 2017 und zwei Alben in drei Jahren. Bei Mantis ist eine Menge los. Was steht als Nächstes auf Eurem Plan?

    Mantis: Es freut uns, das zu hören. Uns wurde nämlich auch schon gesagt, dass es ziemlich lange gedauert hat, bis wir wieder neue Musik am Start hatten. Im Hinblick auf unsere Hauptjobs würden wir sagen, dass wir in regelmäßigen Abständen neues Material veröffentlichen. Für unsere Zukunft wünschen wir uns, dass wir wieder live spielen können. Außerdem möchten wir eine neue Platte aufnehmen und endlich die Keksbäckerei gründen, über die wir schon so lange Witze machen.

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