Chelsea Handler, Comedian und Talkmasterin, macht ein für alle mal Schluss mit lustig. Sie sieht es nicht mehr ein, dass Männer Frauen auf der Straße und zuletzt sogar in den Medien ständig dazu auffordern, zu lächeln.

Liebe Frauen. Kennt Ihr das auch? Eine Zeitlang dachte ich ja, das geht nur mir so. Bis ich immer mehr Frauen darauf ansprach und sie mir erzählten, dass es sie genauso nervt. Man steht im Supermarkt vor dem Shampooregal und plötzlich reckt jemand neben einem den Kopf und sagt „Lächel doch mal!“. Jemand ganz Fremdes, Unbeteiligtes.

„Hey, warum so finster?“

Man starrt in der Bahn vor sich hin und plötzlich kommt jemand auf einen zu und sagt „Hey, warum so finster?“. An der Bar im Club scheint es seit Jahrzehnten (oder Jahrhunderten?) der Anmachspruch Nummer eins zu sein. „Wenn Du mir ein Lächeln schenkst…“.

Doch nicht grundsätzlich ist dieser Impuls einiger männlicher Erdbewohner als Anmache gedacht. Manche denken anscheinend sogar, sie helfen einem, wenn sie einen darauf hinweisen. So nach dem Motto „Wenn sie lächelt, muss sie glücklich sein. Also mache ich sie glücklich, indem ich sie auffordere, zu lächeln.“.

So einfach funktioniert das aber nicht. Psychologen (Ja, das kann man nachlesen) sagen sogar, es hat unterbewusst wohl eher etwas mit Kontrolle zu tun. Sie lächelt, also macht sie keine Welle. Sie macht gute Miene. Und ich habe sie dazu gebracht. Doch nur soviel dazu.

Ein natürlicher Gesichtsausdruck zeugt von Selbstbewusstsein

Die Geschichte mit dem „Wenn ich sie zum Lächeln bringe, mache ich sie glücklich.“ ist übrigens ehrlich wahr, ich habe mal jemanden in einem besonders selbstbewussten Moment zur Rede gestellt. Was mich zum nächsten Punkt führt. Selbstbewusstsein. Manche verbinden Lächeln auch damit. Doch ist es nicht sogar viel selbstbewusster, mit einem natürlichen Gesichtsausdruck herumzulaufen, als ständig mit einem gekünstelten Lächeln?

Ich habe mal eine Weile an einer Bäckertheke gearbeitet. Was mir die Menschen da alles gesagt, an den Kopf geworfen und erzählt haben, könnt Ihr Euch nicht mal ausmalen. Ich möchte auch nicht anfangen, das alles auszubreiten oder gar zu analysieren. Dazu fehlt mir die Zeit und vieles davon habe ich über die Zeit auch einfach vergessen oder verdrängt. Doch ein älterer Mann wird mir wohl immer in Erinnerung bleiben. Er war einer der Stammkunden. Immer wieder versuchte er mit Sprüchen bei mir zu landen, doch an einem Tag hatte er die Grenze eindeutig überschritten.

What the heck?!

„Lächel doch mal, Bäckerin. Du würdest so schön aussehen, wenn Du mal lächeln würdest.“ Mal abgesehen davon, dass wir niemals per Du gewesen waren (zumindest nicht in meiner Welt): WHAT THE HECK?!

Was ist los mit den Männern? Das dachte sich auch Chelsea Handler. Und räumte erst mal auf. „Männer: Hört auf uns zu sagen, wir sollen lächeln!“, sagt sie in einer Ausgabe ihrer Show. Unter anderem knöpft sie sich einen Twitterer vor, der keine Geringere, als Hillary Clinton dafür kritisiert, sie hätte bei einer Veranstaltung nicht gelächelt.

„Frauen wollen das nicht“, sagt Chelsea Handler

„Wer bist Du eigentlich, dass Du denkst, anderen Menschen sagen zu dürfen, sie sollen lächeln?“, fragt sie ihn. Auch Kirsten Steward und Serena Williams sei schon Ähnliches passiert, berichtet sie. An den zweiten Vorfall kann ich mich leise erinnern. Ich meine ihn vor einiger Zeit in einem Online-Magazin gelesen zu haben. Auch damals habe ich mich schon darüber aufgeregt.

„Hört auf uns zu sagen, wir sollen lächeln.“, wiederholt sie. „Das ist kein Eisbrecher. Es ist ein K.O.-Kriterium.“ Chelsea Handler sieht es klar als Übergriff, wenn Männer Frauen unvermittelt um ein Lächeln bitten.

„Überlegt doch mal, wie sexistisch das ist“, klagt sie an. „Stellt Euch mal vor, Ihr würdet  Samuel L. Jackson darum bitten, das Stirnrunzeln sein zu lassen.“

Liebe Frauen: Ihr seid genauso wunderschön, wenn Ihr nicht lächelt!

Nach langen Jahren, die ich mit Grübeln, Genervtsein und sogar gelegentlichen Selbstzweifeln („Gibt es sowas wie ein Resting Bitch Face? Bin ich irgendwie unlocker?) verbracht habe, habe ich persönlich inzwischen gelernt, mit derartigen Aufforderungen umzugehen. Ein kurzes Stirnrunzeln, gefolgt von weggucken und weitermachen wie bisher. Am besten dem Gegenüber in so kurzer Zeit wie möglich zeigen, wie dumm er sich gerade verhalten hat. Mehr nicht. Das kann ich nur jeder anderen Betroffenen auch raten.

Liebe Frauen: Ihr seid genauso wunderschön, wenn Ihr nicht lächelt! Lächeln ist außerdem etwas sehr Intimes. Ich für meinen Teil lächle, wenn ich mich freue. Oder Zeit verbringe, mit einem geliebten Menschen. Ihm schenke ich dann gerne ein Lächeln. Aber nicht, weil ich meinen Körper dazu auffordere. Sondern, weil er es von ganz alleine macht.

Das wirklich unterhaltsame, lustige Video könnt Ihr Euch hier ansehen:

Mehr von Chelsea findet Ihr auf Netflix und auf ihrer Homepage.

Die Geschichte der Frauenrechte

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