NoG20 – Zu dem befreundeten Redakteur, der mich heute Morgen um einen Artikel zum Thema G20 für sein Online-Magazin bat, meinte ich noch „Im Moment schaffe ich es nicht, drüber zu schreiben“. Ich fühlte mich kopfmäßig einfach nicht dazu in der Lage.

Eine kleine Statusmeldung muss ich nun doch abgeben. Nur für den Moment. Auch, um meine Gedanken zu ordnen. Als Kanal wähle ich dafür bewusst meinen Blog, weil ich hier besonders auch die Menschen erreiche, die auf dieses Lebenszeichen von mir warten und wissen wollen, was hier los ist. Heute Morgen habe ich ein Bild in meinem Instagram-Channel gepostet. Versehen mit einer Bitte, die von Herzen kommt:

„Hört auf, unsere Stadt in Brand zu stecken. Sie kann nichts dafür. Wir trauen uns nicht in die Arbeit und in die Schule und ihr zieht unseren friedlichen Protest in den Dreck.“

nog20

Mein Tweet folgte:

nog20

Gestern Abend und heute Morgen wurde die Straße, in der wir wohnen, zerlegt. Von vermummten Gestalten. Mit Rauchbomben, Pyro, Feuerwerk, Wackersteinen, Hämmern und Fäusten. Das hat mit Protest gegen G20 nichts mehr zu tun. Auch nicht mit Protest oder Demonstration im Allgemeinen. Es ist blinde Gewalt. Wahllose Zerstörung. Es werden nicht nur unsere Straßen, Schaufenster, Autos, Außenbestuhlungen und Blumentöpfe zerstört. Unsere Bemühungen, unsere Meinung zum Ausdruck zu bringen, werden durch die Ausschreitungen von gewaltbereiten Krawalltouristen zunichte gemacht.

Wir alle finden es nicht schön, dass sich einige der schlimmsten Diktatoren ausgerechnet in unserer Stadt treffen. Gerade in diesem Moment Entscheidungen treffen, die wirklich schwerwiegend sein können. Darum hatten wir auch diverse Demonstrationen geplant. Friedliche Demonstrationen. Den Zerstörern geht es um etwas anderes. Sie leben blinde Zerstörung. Damit schaden sie nicht denen, um die es in den angekündigten Protesten geht, sondern den Menschen, die hier leben. Die sich die Miete für die kleine Wohnung über dem Handyladen, der nun keine Schaufensterscheiben mehr hat, vom Munde abgespart haben.

Brennende Autos auf der Elbchaussee

Das eigentliche Thema rückt in den Hintergrund. Keiner hat mehr wirklich auf dem Schirm, was entschieden wird. Wer mit wem streitet. Wie es weitergeht? Auf allen Kanälen sieht man nur noch Bilder von Wut und Zerstörung. Brennende Autos auf der Elbchaussee. Menschen, die sich mit Hilfe eines Straßenschildes Zugang zu einem Einrichtungshaus verschaffen. Wasserwerfer. Pyro. Hubschrauber. Lärm. Rauch. Das Video, das wir gedreht haben, als der schwarze Block heute Morgen um sieben hier in Altona eintraf, erspare ich Euch an dieser Stelle. Alle, die Internet haben, wird es demnächst sowieso auf einem anderen Weg erreichen.

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Wie mein Tag heute gelaufen ist? Nun, ich bin nach einer kurzen Nacht aus dem Bett gefallen, habe mich fertig gemacht und wurde von meinem Mann in die Arbeit begleitet. Auf dem Weg dorthin war alles ruhig. Auf der Straße begegneten uns Ladenbesitzer, Kellner und Hausmeister, die damit beschäftigt waren, Glasscherben aufzufegen und geborstene Scheiben notdürftig mit Klebeband abzusichern.

Die Polizei bat uns den Laden zu schließen

Im Laden war auch alles ruhig. Bis auf ein paar Kunden (vor allem Bewohner des näheren Umkreises), die reinkamen und uns ihre Videos und Bilder der Zerstörung auf ihren Mobiltelefonen zeigten. Und Feuerlöscher kauften. Gegen 14 Uhr kam dann die Polizei und bat uns freundlich aber bestimmt darum, den Laden zu schließen. Mein Mann holte mich wieder ab. Er hatte glücklicherweise für heute Homeoffice angemeldet. Wie all seine Kollegen. Sein Arbeitsplatz befindet sich nämlich in der roten Zone.

Auf dem Heimweg begegneten uns jede Menge verwirrte Menschen. Und schwer bewaffnete Polizisten in Schutzkleidung. Jetzt sitzen wir seit ein paar Stunden zu Hause. Irgendwie schaffe ich es gerade nicht mal, rauszugehen, um Bier zu holen. Eigentlich hatten wir vor, heute Abend zu einer friedlichen Demo zu gehen. Das haben wir inzwischen verworfen. Und das liegt nicht am Staatsbesuch in den Messehallen.

Friedliche Protestaktionen wie der Rave gegen G20 „Lieber tanz‘ ich, als G20“, dem wir uns vorgestern angeschlossen hatten, oder „Gay 20“, das heute stattfinden sollte, werden mit in den Abgrund gezogen. Von Krawalltouristen, die das Ereignis G20 nur als Anlass sehen, mal so richtig die Sau rauszulassen. Indem sie Verwüstung anrichten. Wie schön war alles losgegangen, als wir uns mit anderen Hamburgern zum Massencornern trafen.

NoG20 – Wie alles begann

G20 sollte friedlich aus dem Viertel gejagt werden, indem man sich auf der Straße zeigte. Doch viele sehen jetzt nur noch die Gewalt. Den wild gewordenen Mob, der unsere Schaufenster einwirft, unsere Straßen verwüstet und die Autos unserer Nachbarn anzündet. Nicht die 45.000 (Es waren dann doch etwas mehr, als die zuerst vermuteten 30.000) friedlich tanzenden Menschen, die gegen einen Gipfel, der am falschen Ort stattfindet und die Auswirkungen der Politik der daran teilnehmenden Staatsoberhäupte demonstrieren. Gegen den Krieg, Gewalt und Aggression. Für Frieden und Gerechtigkeit.

Hubschrauber kreisen. Die Gedanken auch. In der nachfolgenden Galerie seht Ihr ein paar Bilder vom friedlichen Demo-Rave „Lieber tanz‘ ich, als G20“. Ich hoffe, dass dieser Artikel genau wie mein letzter zum Thema NoG20 nur eine Momentaufnahme ist und sich doch alles noch zum Guten wendet.

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