Urprünglich wollte ich neulich eigentlich nur einen Tweet schreiben. „Katzenlogik ist…“. Doch dann ist irgendwie alles eskaliert und es wurde eine Blogartikel draus.

Ich möchte Euch hiermit an einer Verkettung unglücklicher Zufälle aus meinem Alltagsleben teilhaben lassen. Mein Freund Murphy hat mich mal wieder nicht in Ruhe gelassen. Anything that can go wrong, will go wrong.

Dabei fing alles so schön an. Ich wäre ja dafür gewesen, dass es so weiter geht. Wie in einem Traum. Kennt Ihr das? Es passieren nur schöne Sachen. Sie werden immer besser. Und irgendwann gibt es keine Steigerung mehr. Dann wacht man meistens auf. OK, auch nicht so schön.

Ich stand morgens auf und frühstückte. Es schmeckte himmlisch. Ich war ausgeschlafen und gut drauf, die Frisur saß, nichts zwickte oder zwackte. Auch in der Arbeit war alles super. Ich durfte übersetzen, Fotos machen und Beiträge schreiben. Alle waren nett, das Wetter wurde immer besser, die Stimmung war toll und alles passte – the job I’ve always dreamed about. Ihr wisst schon, was ich meine. Auf dem Weg nach Hause kaufte ich mir in einem Laden, in den ich eigentlich nicht mehr reingehen wollte, eine Flasche Limonade.

Murphy’s Law ist immer für mich da

Nicht, dass Ihr denkt, dass ich an Flüche oder sowas glaube, dem ist nicht so. Doch mit dieser Flasche Limonade ging alles los. Ich suchte in meinem Portemonnaie nach Kleingeld und brauchte ewig, bis ich es abgezählt hatte. Der Mann hinter mir in der Schlange scharrte indes mit den Hufen. Als ich es der Kassiererin hinlegte, hatte ich mich natürlich verzählt. Als ich auf dem Bürgersteig vor dem Geschäft die Flasche öffnete, schäumte sie über und auf meiner Jacke bildete sich ein großer, nasser Fleck.

Die Bahn nach Hause war vollgestopft. Mir gegenüber saß ein Mann, der neben (!) dem Takt der Musik auf seinem Kopfhörer laut auf seiner Ledertasche herum klopfte. Neben mir ein Mädchen mit lauter Euro-Dance-Mucke auf dem Ohr und hinter mir brüllende Kinder. Ich meine, nichts, was nur mich empfindliche Seele gestört hätte, sondern so richtig volles Rohr. Meine Kopfhörer hatte ich nebst Mobiltelefon-Ladegerät auf dem Schreibtisch liegen gelassen.

Lärm auf der Großbaustelle

Beim Aussteigen schubste mich dann ein Kerl, dem es nicht schnell genug gehen konnte, gegen die Schulter. Wäre ich nicht über den vor mir im Ausgang der Bahn parkenden Kinderwagen (Nein, der Kindsvater war nicht gewillt, auch nur einen Zentimeter auszuweichen, um den Aussteigenden den Weg zu erleichtern) gehechtet: Wer weiß, was passiert wäre. Schon aus der Ferne konnte ich die Großbaustelle vernehmen, die sich derzeit rund um unsere Wohnstätte befindet. Man arrangiert sich ja echt mit so einigem. Aber dieser Krater inmitten der Fußgängerzone ist nicht nur staubig und laut, sondern kann einem echt gehörig auf die Nerven gehen.

Nachdem ich nach dem Aufschließen der Wohnungstür und dem Abstellen meiner Schuhe sofort eines dieser kleinen, fiesen Katzenklosteinchen unter meinem rechten Großzeh spürte, erinnerte ich mich: Ich wollte saugen. Gesagt getan. Vorher säuberte ich, einem Automatismus folgend, noch schnell die Katzenkiste. Die Wohnung gesaugt und in einer kurzen Presslufthammerpause gelüftet. Den Staubsauger abgestellt, die Spülmaschine ausgeräumt. Die Hälfte noch verschmutzt. Na gut, dann darf das Geschirr eben noch eine Runde in der Maschine drehen.

Katzenlogik ist…

Gerade mit dem Putzen des Gemüses für die Suppe beschäftigt, vernahm ich ein Scharren. Der Kater. Und jetzt kommen wir zu dem Tweet, den ich eigentlich schreiben wollte.

Katzenlogik ist, wenn man die Wohnung saugt und lüftet und dann geht der Kater zum Kacken.

In aller Seelenruhe machte ich mich also daran, seine Hinterlassenschaften aufzuräumen und seiner Katzenstreuspur hinterherzusaugen.

Das Ausschalten des Haushaltsgeräts muss der zweite Kater wohl als Startschuss verstanden haben. Das selbe Spiel noch mal.

Alles gereinigt, die Hände sauber, zurück an den Herd. Das Gemüse für die Suppe anbraten. Alle Fenster sperrangelweit geöffnet. Den Abzug über dem Herd eingeschaltet, versteht sich. Nach zwei Sekunden Braten meldete sich selbstverständlich trotzdem der Rauchmelder.

Weil ich keinen Besen zur Hand hatte, griff ich kurzerhand zum Staubsauger. Nach einigem Herumhopsen, das sehr lustig ausgesehen haben muss, und dem Deaktivieren des Ruhestörers, fiel mir der Fuß des Sog-Bodenreinigers selbstverständlich auf den Fuß. Der Nagel vom kleinen Zeh ist jetzt noch blau.

Der Rauchmelder meldet sich zu Wort

An dieser Stelle wird es Zeit für einen weiteren Tweet, den ich mir auf Twitter gespart habe, aber hier gerne einfügen wollte, weil er einfach so gut passt:

Neubau ist, wenn der Rauchmelder angeht, weil man Essen kocht, man den Rauchmelder nicht auskriegt und das Essen verbrennt, weil man weggegangen ist.

Wieder am Herd, kaum war auf der Baustelle Ruhe eingekehrt, legte unser Nachbar mit dem Bohr-Hobby mit seinem Schlagbohrer los. Nanu? Heute zwei Stunden früher als sonst? Was ist denn da los? Ich kratzte das verbrannte Gemüse aus dem Topf und lauschte dem Nachbarn, der offensichtlich den Baulärm draußen schon nach Minuten so sehr vermisst, dass er regelmäßig für Ersatz sorgen muss. Ich bin mir sicher: Die Wände seiner Behausung müssen einem Schweizer Käse gleichen.

Mit einer ungeschickten Bewegung wischte ich beim Wegräumen des Kochtopfs eine Flasche Olivenöl von der Küchenzeile, schaffte es gerade noch, sie aufzufangen und haute dadurch die gläserne Pfeffermühle voll auf den Fliesenboden. Tausend Scherben. Na super. Auf zum Putzschrank. Kater Nummer eins lag inzwischen friedlich auf der Couch (Natürlich neben seiner Decke, da sind ihm vermutlich zu viele Katerhaare dran), Kater Nummer zwei hatte gebrochen, also noch ein Grund, mich zum Putzschrank zu begeben. Die Scherben aufgesammelt, das Erbrochene des Katers aufgewischt, das Loch im Fliesenboden notdürftig mit Filzstift übermalt. Dem Herzmann die Tür geöffnet und erst mal das Herz ausgeschüttet. Er schüttelte nur den Kopf, „lass uns doch Burger essen gehen.“

„Ich hab keine Lust, nochmal loszugehen. Lieber eine Pizza vom Lieferdienst. Dann können wir es uns gemütlich machen.“

Kennt Ihr, oder?

Warum der Titel dieses Tagebucheintrags „Katzenlogik und Käsekram“ lautet? Nun, mein liebste, beste Freundin pflegt, erzählt man ihr Geschichten wie diese hier, die darin enthaltenen Stolpersteine gerne als „Käsekram“ zu bezeichnen. Damit meint sie nicht etwa, dass sie sie für harmlos hält und man sich nicht so haben soll, sondern, dass sie ebenso empfindet. Sie leidet mit einem. Und beruhigt einen damit. Wodurch einem klar wird, dass es sich eigentlich tatsächlich nur um Käsekram handelt. Ich liebe sie für diese ehrliche, echte Empathie.

Wie der Abend weiter ging? Wir bestellten Pizza. Nach einer Stunde Wartezeit kam leider die falsche. Mit Salami drauf. Der Fahrer entschuldigte sich und versprach, bald mit der richtigen wiederzukommen. Wir haben ihn nie wieder gesehen. Nach einer weiteren Stunde rief ich beim Pizza-Service an und sagte denen, dass es sich erledigt hätte. Auf dem Weg zum Hot Dog-Stand mit den guten veganen Hotdogs stolperte ich über die Bodenplatte, über die ich immer stolpere und biss mir auf die Zunge.

Und die Moral von der Geschichte? Wir sollten nie vergessen, wie gut es uns geht. Wir haben die Wahl zwischen selber kochen, essen gehen, Pizza-Service, Hot Dog Stand und wer weiß was noch allem. Andere Menschen sind auf der Flucht, haben nicht zu essen zu trinken und nicht einmal ein Dach über dem Kopf. Solange es nur ein wildgewordener Feuermelder oder eine Baustelle ist, die unsere Ruhe stören, sollten wir echt mal ruhig durch die Hose atmen.

Katzenlogik

Die Fotos habe ich alle in Hamburg gemacht. Das Schild „That’s All Folks“ stammt aus der Ausstellung „Brave New World“ der Affenfaust Gallerie.