Postrock für die Seele

Russian CirclesNach langer Zeit hatten wir gestern endlich mal wieder die Ehre, Russian Circles live auf der Bühne zu erleben.

Russian Circles traten im Hamburger Knust auf. Das Publikum im alten Punk-Schuppen war sehr gemischt, was den Abend besonders interessant machte.

Ein genialer Abend trotz unterirdischer Vorband

Cloakroom, die als Opener spielten, das muss ich an dieser Stelle leider sagen, sind  für mich die schlechteste Band, die ich jemals live gesehen habe. Sorry, aber sowas geht nicht im Vorprogramm einer Weltklasse-Truppe. Ich hatte einfach das Gefühl, dass jeder in der Band für sich alleine spielt. Gereist wurde mit Equipment-Koffern, auf denen ein anderer Bandname stand. Ausgeliehen? Glaube ich nicht. Vermutlich hatte man es schon mal mit Folk versucht, war gescheitert und zog jetzt mal auf gut Glück mit Postrock los. So nicht. Ehrlich. Ich kenne jede Menge talentierte Bands, die nie aus ihrer Kleinstadt rauskommen. Und diese Kerle hier können nicht mal einzählen. Geschweige denn den Takt halten, oder irgendwas. Und da war nichts von nonchalanter Art oder unerfahrenem Charme zu spüren, die vielleicht zur einem „Schwamm drüber, Hauptsache gute Laune“-Gefühl geführt hätten. Das Publikum wurde schlichtweg ignoriert. Zwischendurch war der Herr Bassist dann auch noch mehr mit dem Mobiltelefon, als mit seinem Instrument beschäftigt. Das ist nicht fair. So viel (Zu viel, ich weiß) also zur Vorband. Garth over and out, Party on Wayne!

Nach rund einer Stunde, gefüllt mit wirren Soundwellen und höflichem Fremdschäm-Applaus, war es endlich soweit und Brian Cook (Bass), Dave Turncrantz (Drums) und Mike Sullivan (Gitarre) betraten die Bretter, die die Welt bedeuten.

Russian Circles spielten mal wieder alle an die Wand

Russian CirclesWie wir es von Ihnen gewohnt sind und nicht anders erwartet hatten, spielten sie mal wieder alles vorher dagewesene an die Wand und schossen das Publikum mit ihrer Musik ins All.

Der Hipster, der sich gerade noch gefragt hatte, ob er sich das richtige Programm für seinen Abend rausgesucht hatte, war bereits nach den ersten Klängen mucksmäuschenstill geworden. Als sich nach der etwas ruhigeren Einleitung brachiale Riffs an Daves präzisionsgeladenem Schlagzeug brachen, legten die autonomen Stammgästen mit wüstem, lebensbejahendem Pogo los und introvertierte Postrocknerds (hier nehme ich mich nicht aus) erinnerten sich, verwirrte Blicke verteilend, an gar nicht so lange zurückliegende Zeiten.

Was soll man noch mehr sagen. Ein Gitarrist und eine Rhythmusgruppe aus Illinois schafften es gestern Abend im Hamburger Knust nicht nur Generationen, sondern auch Szenen zusammenzubringen und ließen eine Meute glücklicher Menschen zurück, als sie nach einer grandiosen Zugabe das Gebäude in Richtung Aarhus verließen.

Ich freue mich schon sehr drauf, Russian Circles baldmöglichst wieder zu sehen. Ein Bisschen hoffe ich ja noch darauf, dass sie sich beim Dunk Festival blicken

Russian Circles live @ Kranhalle München November 2013 findet Ihr hier.

Für Vale