WeihnachtenKurz vor Jahresende. Menschen haben Muße zu schreiben. Briefe, Postkarten, Grüße und sogar Reden. Entstehen, werden verschickt, gelesen, vorgetragen, gehört.

Weihnachten klopft an die Tür. Sind schon alle Geschenke verpackt? Was gibt es am zweiten Weihnachtsfeiertag zu essen? Ist noch Tomatenpüree da? Vor dem Fenster der ewige Lärm der Bauarbeiter. Sie sägen, fräsen, frieren, schwitzen, fluchen, rauchen, wollen nach Hause zu ihren Lieben. Nach Barmbek, Eimsbüttel, Buxtehude, Pinneberg. Zehlendorf? Ravensburg? Izmir? Trinidad?

Wo ist zu Hause?

Wo ist zu Hause? Wo das Herz ist? Das feine Liebchen wohnt? Man die Familie zurückgelassen hat? Frieden herrscht? Eine nachdenkliche Zeit. Wer jetzt tief in die Feuerzangenbowle schaut, ist entschuldigt. Die Haare gerauft.

Eine alte Frau sucht in einem Papierkorb nach Leergut. Ohne Handschuhe. Die alte Mütze mit dem Schriftzug ihres Lieblingsvereins tief ins Gesicht gezogen. Am Arm eine Hundeleine. Ohne Hund. Die Möwen kreischen.

Der Obdachlose vor dem Drogeriemarkt am Bahnhof fragt, ob ich einen Euro habe. Kein Geld dabei. Nur meine Krankenkassenkarte. Er sagt, ich soll mir einen aus seinem Becher nehmen. Wünscht mir einen schönen Tag.

Menschen schleppen Bäume

Menschen schleppen Bäume, Tüten, Pakete. Von der Post nach Hause und von zu Hause zur Post. Die Schlange ist lang. Sie geht bis über die Straße. Ein Mann ist wütend. Wirft seine Post in den Glascontainer und geht weg. Ich stelle mich an. Schon ein Stückchen vorgerückt.

Das Fahrrad hat einen Platten. Macht nichts. Nicht mehr weit. Zu Hause ist es warm. Zündet eine Kerze an und denkt an Eure Lieben. Habt schöne Feiertage. Genießt Eure Liebe, Laune, den Wein, die Wärme, das Essen. Alles Gute im neuen Jahr.

Auf dem Balkon blüht ein kleiner Krokus. Gestern noch zart und zögerlich, heute schon kräftiger. Hofft auf das Frühjahr und verkühlt sich.

Weihnachten