Foto: Martina Brobst

Foto: Martina Brobst

Ganz sicher können sich einige hier noch an die vegane Künstlerin Denise Slapansky Hof erinnern. Zuletzt hatte ich hier ihre Bilder1 vorgestellt und auch der Artikel über ihre Mützenkollektion mit dem Label WYOB2 erfreut sich großer Beliebtheit. Dazu gab es dann auch noch eine tolle Überraschung3 für mich.

Vom 8. bis zum 14. November stellte Denise in den Räumlichkeiten der Augsburger IT-Firma Harle ihre aktuellsten Werke aus. Unter dem Motto „Tierisch hintergründig“ zeigte sie insgesamt 26 Exponate, die sich teilweise bereits in Privatbesitz befanden und von ihren Besitzern als Leihgabe für die Ausstellung zur Verfügung gestellt wurden.

Mit insgesamt rund 100 Besuchern war das Event ein voller Erfolg für die Künstlerin. „In dem denkmalgeschützten Gebäude mit Stuckdecken und 3,30 Meter hohen Wänden kamen meine Bilder richtig schön zur Geltung“, freut sich Denise. „Das Feedback war auch von Nichtveganern außerordentlich ermutigend.“ Für 2016 plant Denise weitere Ausstellungen.

Spenden gingen an Lebenshöfe

Der Gästebuch Eintrag

Der Gästebuch Eintrag

Einige ihrer Bilder wurden gespendet, der Erlös ging an verschiedene Lebenshöfe. Den schönsten Eintrag ins Gästebuch der Ausstellung ließ mir Denise zukommen und weil er auch mir so gut gefällt, verewige ich ihn hiermit hier.

Gemalt hat Denise schon sehr früh, in einem ihrer Grundschulzeugnisse stand die Anmerkung

Denise malt gern und sie liebt Tiere.

Seither hat sich nicht viel geändert, wenn Denise nicht gerade mit Malen oder der der Bildhauerei beschäftigt ist, widmet sie sich der Arbeit im Tierschutz und ihrer veganen Mützenkollektion. Als sie sich entschieden hatte, vegan zu leben, begann sie einiges mit anderen Augen zu sehen. „Was ich bis dahin ausgeblendet hatte, traf mich nun mit voller Wucht“, erzählt mir die Künstlerin. „In einer besonders dunklen Stunde, als mir das Leid der Tiere und meine Hilflosigkeit besonders zu schaffen machten, habe ich ihnen und mir versprochen, meine gesamte Kreativität in den Dienst ihrer Sache zu stellen. Sie in ihrer Schönheit und Würde zu zeigen, aber auch in ihrem Leid.“

Von diesem Zeitpunkt an, widmete sich ihre Malerei ausschließlich den „Nutztieren“. Sie möchte, dass ihre Bilder als Einladung verstanden werden, sich mit ihrer Problematik auseinanderzusetzen und hinzusehen.

„Tierisch hintergründig“ – Zu den Bildern

Paul und Marie (Foto: Thomas Zinnecker

Paul und Marie (Foto: Thomas Zinnecker

Zu ihren ausgestellten Kunstwerken hat die kreative Friedbergerin einiges zu berichten. Das Stierkalb Paul ist gleich auf diversen Bildern zu sehen. Paul sollte am 15. Dezember 2014 im Alter von acht Wochen geschlachtet werden. Die Tierärztin, die in dem Schlachthof arbeitete, wollte ihm das Leben retten. So rief sie bei Denise an und bat sie, ihn abzuholen. Denise betreute ihn, bis er auf Hof Butenland einziehen durfte. Eine prägende Zeit für die Tierschützerin.

Auf einem der Bilder ist Paul zusammen mit der ehemaligen Milchkuh Marie zu sehen. Man hatte ihr all ihre Kälber weggenommen, als sie Paul adoptieren durfte, war das das Größte für sie. Das Bild zeigt Paul, wie er von Marie liebkost wird. „Auch wenn er nicht ihr eigener Sohn ist, für sie ist es ihr Kleiner, sie darf sich endlich um jemanden kümmern und wird geliebt.“, so die Künstlerin.

Milchwaisen im Schüttelglas (Foto: Martina Brobst)

Milchwaisen im Schüttelglas (Foto: Martina Brobst)

Das größte Bild der Ausstellung trägt den Titel „Milchwaisen im Schüttelglas“. Dargestellt werden die Tiere, die für die Milchindustrie am schlimmsten leiden müssen. Alle vier dargestellten Tiere wurden von ihren Müttern getrennt, damit andere ihre Milch trinken konnten. Denise dazu: „Es geht darin auch um die künstliche, heile Welt, die uns die Werbung suggeriert. Die Realität bleibt im Dunklen.“

60 Millionen Schweine werden in Deutschland jedes Jahr geschlachtet

"Milka" (Foto: Thomas Zinnecker)"Milka" (Foto: Thomas Zinnecker)

„Milka“ (Foto: Thomas Zinnecker)

Im Werk „Milka“ geht es um die Problematik des Leistungszwangs. Der Blick der Kuh ist leer. Sie hat viele Kinder geboren, jedes Jahre eines, alle wurden sie von ihr getrennt. Wenn ihre Leistung nachlässt, wird sie zur Schlachtbank geführt. Die sehr kleinen Kälber links im Bild sind ein Hinweis auf die nach wie vor praktizierte Trächtigkeitsschlachtung4.

60 Million Dreams (Fotos: Martina Brobst)

60 Million Dreams (Fotos: Martina Brobst)

„60 Million Dreams“ greift das Thema Massentierhaltung auf. Ca. 60 Millionen Schweine werden in Deutschland jedes Jahr geschlachtet. 99% von ihnen leben in Massentierhaltung. Sie sehen das erste Mal Licht, wenn sie auf den Schlachttransporter verladen werden. Daran möchte Denise damit erinnern.

Ein Bild, das Denise besonders am Herzen liegt ist das Werk „Mehr als die Summe der Teile“. Die Interpretation stammt von ihr selbst:

„Gustav Klimt ist sicher jedem ein Begriff. Bei diesem Maler fasziniert mich die Mischung aus Ornamenten, Graphischem und zarten Hauttönen. Die Haut der von ihm dargestellten Frauen wirkt durch die Farbigkeit der Umgebung extrem zart und weich.

Diese Gegensätze haben es mir angetan und auch ich verwende sie als Stilmittel. In diesem Fall wird die Zartheit dargestellt von Mutter und Kind. Das Kind der Milchkuh ist allein, verängstigt und verlassen. Die Mutter ruft nach ihm, sie trauert, sie ahnt, dass das Kind verloren ist, wie jedes Mal, wenn sie einem Kalb das Leben schenkt.

Mehr als die Summe der Teile (Foto: Sissi Amaurette)

Mehr als die Summe der Teile (Foto: Sissi Amaurette)

Dazwischen ist ein Metzgerschema, nach dem die Teile des Kalbes nummeriert und benannt sind. Das Schicksal des Kleinen ist klar. Auf der linken Seite des Bildes ist eine Schwangere zu sehen.

Sie trägt eine Augenbinde. Sie will nicht sehen. Sie sieht nur ihr eigenes Kind, das sie füttern wird mit dem Pulver aus der Muttermilch des Kalbes. Und mit seinem Fleisch. Ihre Welt ist bunt. Genau wie ein Teil des Fleischschemas, das an die Werbung erinnern soll. Der schwarze gestufte Streifen soll die Stufen des Bewusstseins zeigen. Rauf und runter. Sehen oder nicht sehen.“

Das als kleiner Einblick, weitere Bilder seht ihr unten in der Galerie. Sofern es sich um „Nutztiere“ handelt, nimmt Denise auch immer wieder gerne Aufträge an. Erreichbar ist sie stets über ihre Facebook-Seite.5

Fußnoten

Alles über Wolle und warum sie nicht vegan ist, erfahrt Ihr hier.

Merken