Mein KohlköpfchenVor Kurzem lerne ich über die sozialen Netzwerke die junge Schmuckdesignerin Nina Jadzinski kennen. Sie stellt tollen Schmuck her, den sie selbst entwirft. Das Besondere: Die kleinen Anhänger haben die Form von Gemüse.

Liebevoll formt sie in Handarbeit kleine Avocados, Drachenfrüchte und Rüben. Im Netz erfreuen sich ihre Kunstwerke großer Beliebtheit. Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen, mir auch gleich mal eins davon zu bestellen. Meine Wahl fiel auf ein kleines Kohlköpfchen, Ihr seht es rechts auf dem Bild. Ich liebe es und trage es seit es in meinem Besitz ist jeden Tag.

Jetzt hat sich Nina meinem Interview gestellt. Dabei hat sich ein interessantes Gespräch entwickelt, in dem wir uns über Gemüse, Basteleien und ihr Zuhause unterhalten haben. Doch lest selbst.

Anne: Liebe Nina, schön, dass du dir die Zeit nimmst! Ich freue mich sehr, dich kennenzulernen!

Nina: Danke Anne, die Freude ist ganz meinerseits und es ist sehr toll, dieses Interview mit dir machen zu können!

Anne: Du stellst Schmuck in Form von Gemüse her. Wie kam die Idee dazu?

„Es gibt einfach zu wenig Schmuck für Veganer“

Nina: Ich finde, dass es zu wenig Auswahl an Schmuck explizit für Veganer gibt. Ich habe dann angefangen, mir selbst welchen zu machen und dachte mir: Was wäre passender als hübsches und buntes Gemüse in seiner gesamten Vielfalt?

Anne: Seit wann lebst du denn vegan?

Brokkoli von Mad Yeti Creations

Brokkoli von Mad Yeti Creations

Nina: Ich lebe jetzt seit rund 10 Jahren vegetarisch und habe immer weiter auch tierische Produkte wie Milch und Eier weggelassen. Seit diesem Jahr habe ich komplett aufgehört, sie zu mir zu nehmen, und ich weiß nicht, wieso ich es noch nicht viel früher so gemacht habe.

Anne: Gab es einen Impulsgeber? Was führte zu deiner Entscheidung?

Nina: Um ehrlich zu sein, befasste ich mich immer weiter mit dem Thema Tierschutz und hatte plötzlich klare Gedanken und Auffassungen darüber, was auch im Milch- und Eierbetrieb an der Tagesordnung steht. Das konnte ich mit mir selbst nicht mehr vereinbaren.

Auch prominente Beispiele haben mit Sicherheit zu meiner Entscheidung geführt. Victoria van Violence ist eins davon, sie  konnte mich nach und nach immer mehr davon überzeugen.

Durch die leckeren Gerichte von Attila Hildmann habe ich dann gesehen, wie schmackhaft vegane Gerichte sind und spätestens da war es um mich geschehen.

„Ich liebe Kartoffeln!“

Anne: Hast du ein Lieblingsgemüse?

Nina: Da ich leider ein ausgesprochener Fast Food Junkie bin, ist mein Lieblingsgemüse auf jeden Fall die Kartoffel (lacht). Was wäre eine Welt nur ohne Pommes und Chips? Danke, Kartoffel! (Auch für den Hüftspeck, der mich im Winter immerhin warm hält (grinst).

Anne: Gibt es ein Gemüse, das du als Kind nicht mochtest aber heute am liebsten jeden Tag essen würdest? Mir geht es ja mit Grünkohl und Spargel so, ich bin neugierig, ob andere das auch kennen.

Avocado von Mad Yeti Creations

Avocado von Mad Yeti Creations

Nina: Tatsächlich habe ich erst vor einigen Wochen genau diese Erfahrung gemacht. Ich habe als Kind Rosenkohl gehasst! Mir wurde immer schlecht davon und wenn ich ihn aufessen musste, wurde er in meinem Mund immer mehr, je länger ich drauf herum kaute, und am Ende hab ich ihn einfach ausgespuckt, weil ich ihn absolut nicht runterbekommen habe. Vor ein paar Wochen habe ich dem Rosenkohl dann eine zweite Chance gegeben – nachdem ich ihn bestimmt 15 Jahre lang nicht mehr gegessen habe. Und, was soll ich sagen? Ich liebe ihn und könnte ihn jetzt tatsächlich jeden Tag essen. Total merkwürdig!

Anne: Deine kleinen Gemüseanhänger sehen toll aus. Sie wirken richtig „lebensecht“. Ich stehe ja voll auf mein kleines Kohlköpfchen, ich trage es mit Stolz. Welches Material verwendest du dafür?

Nina: Das ist aber lieb von dir! Es freut mich total, dass er dir so gefällt. Ich benutze „Fimo“ dafür. Das ist eine Knet- und Modelliermasse, die man im Ofen hart backen kann. Sie ist glücklicherweise vegan!

Anne: Wo beziehst du das Material?

Nina: Ich kaufe es beim Künstlerbedarf meines Vertrauens. Ich habe mir schon oft vorgenommen, die billigere Variante im Internet zu bestellen, da kostet ein Päckchen so um die 50  Cent bis 1,50 Euro weniger. Aber bei mir ist es oft so, dass ich spontan und sofort eine bestimmte Farbe benötige und dann doch in den nahgelegenen Bastelladen fahre, um gleich loslegen zu können.

Anne: Es gehört ja auch einiges an Talent dazu, etwas so genau nachzubilden. Hast Du lange geübt, bis dein erster Prototyp fertig war, oder klappte das auf Anhieb?

Nina: Ich mache seit circa zwei Jahren Schmuck aus Fimo, deshalb hatte ich schon recht viel Praxiserfahrung. Die ersten Kohlköpfe habe ich somit gleich auf Anhieb hinbekommen und konnte während des Modellierens noch einige Kleinigkeiten verbessern. Ich habe auch gleich mehrere gemacht, um einfach die Köpfe jedes Mal ein bisschen besser zu machen, bis ich voll und ganz zufrieden war. Ich bin perfektionistisch in so etwas.

Anne: Warst du denn schon immer eine Bastlerin?

Nina: Ja, schon als Kind. Es gibt noch witzige Bilder von mir, in denen ich mir Brillen und Zahnspangen aus Knete gebastelt habe, da war ich noch im Kindergartenalter.

Das erste Schmuckstück war ein Burger

Das erste Schmuckstück war ein Burger

Das erste Schmuckstück war ein Burger

Anne: Was war denn das erste Schmuckstück, dass du gemacht hast?

Nina: Ich glaube, es war ein kleiner Burger. Realistisch aussehendes Essen nachzubauen, hat mir schon immer am meisten Spaß gemacht.

Anne: Welches Teil aus deiner Kollektion gefällt dir persönlich am besten?

Nina: Am besten gefällt mir eine Szenerie, die ich aus dem Film „Sweeney Todd“ nachgebaut habe. Dazu ist zu sagen, dass Tim Burton eine meiner größten Inspirationen ist. Ich liebe seine Kunst einfach.

In besagter Szenerie habe ich zwei von Mrs Lovett’s Meat Pies und einen riesigen Topf mit Fleisch nachgestellt. In diesen „Leckerbissen“ liegen überall menschliche Finger und Augen und Ähnliches, es ist also ein bisschen eklig und gruselig, genau wie der Film, aber mir gefällt es total.

Anne: Demnach stellst du nicht nur Anhänger her, sondern auch andere Dinge?

Nina: Ich habe schon allerhand an Schmuckstücken gemacht; Ringe, Ketten, Ohrringe, Armbänder etc. Außerdem mache ich auch Handy- und Schlüsselanhänger und diese kleinen Charms für die Kopfhörerbuchsen von Handys. Meine ganzen Portemonnaies, Planer und mein Handy sind voll mit meinen Kreationen. Die von meinen Freunden und meiner Familie übrigens auch (grinst bis über beide Ohren).

Anne: Kann man auf Wunsch auch Sonderanfertigungen bei dir bestellen?

Nina: Ja, ich nehme sehr gerne Wünsche und Ideen an und versuche immer, sie umzusetzen!

Anne: Wie bist du auf den wunderschönen Namen Mad Yeti Creations gekommen?

Nina: Es ist vielleicht etwas stumpf, aber ich stehe total auf verrückte Dinge und finde Yetis sehr niedlich. Ich zeichnete an einem Tag einen Yeti (den, der auch mein Profilbild und mein Banner auf Facebook1 schmückt) und kam dann spontan auf diesen Namen, den ich echt cool finde!

Der Schmuck ist online bestellbar

Jede Menge Kohlköpfchen

Jede Menge Kohlköpfchen

Anne: Das kann ist nur bestätigen, das ist er definitiv! Wo kann man deine Sachen käuflich erwerben? Ich kann mir gut vorstellen, dass das den/die ein oder andere/n Leser/in interessieren könnte.

Nina: Im Moment noch über Facebook1 und Instagram2 .

Anne: Das ist doch schon eine ganze Menge! Du sagst noch, dann ist also in Zukunft ein Online-Shop oder ein fester Laden geplant?

Nina: Ja, auf jeden Fall! Das ist mein erstes Ziel für nächstes Jahr. Ein fester Laden wird wohl (noch?) nicht drin sein, aber es wäre schon mein Traum, mein Hobby zum Beruf zu machen. Ein Internetshop auf DaWanda ist aber definitiv geplant!

Anne: Bist du auch auf Schmuck- oder Vegan-Messen unterwegs?

Nina: Noch nicht mit eigenem Stand. Aber das wird auch eins meiner größten Ziele für 2016 sein. Ich besuche solchen Messen und Conventions aber super gerne und habe eigentlich schon immer vor mich hingeträumt und dort einen Stand mit meinem kleinen Mad Yeti gesehen!

Anne: Du bist Schmuckdesignerin mit Leib und Seele. Was bedeutet Schmuck für dich?

Nina: Schmuck ist mir wichtig, weil er Individualität und Farbe in die leider oftmals viel zu graue Welt bringen kann.

„Ich möchte gerne im Umweltschutz arbeiten“

Anne: Was machst du, wenn du nicht gerade in deinem Atelier sitzt und Schmuck gestaltest? Arbeit? Studium? Hobby?

Nina: Ich studiere im Moment Geowissenschaften, da ich gerne im Umweltschutz arbeiten möchten. Ansonsten ist mein größtes Hobby die Kunst, deshalb schreibe, male und bastle ich am liebsten den ganzen Tag, wenn ich Zeit habe. Auch das Filofaxen ist mir ein sehr wichtiges Hobby geworden. Ich weiß nicht, ob du das kennst. Man dekoriert seinen Kalender mit bunten Washi Tapes, Stempeln und Zeichnungen und kann jede Woche individuell gestalten. Das ist ziemlich entspannend, gerade wenn man den Tag über Stress hatte.

Außerdem koche ich total gerne und mache etwas mit meinen kleinen Hunden, Bimbi und Vangos. Wir haben sie aus dem Tierschutz geholt und sie sind das Beste, was mir passieren konnte.

Anne: Wieviel Zeit investierst du derzeit in die Schmuckgestaltung? Jetzt vor Weihnachten hast du ja sicher eine Menge zu tun, oder?

Nina: Ich verbringe wöchentlich bestimmt 10-16 Stunden damit, Fimokreationen zu gestalten. Es kommt immer darauf an, wie viele Projekte und Ideen ich habe! Und ja, gerade an Weihnachten habe ich viiiiiel zu viele Ideen und verbringe nächtelang damit, sie am Fimo auszuleben!

Anne: Du wohnst in Gelsenkirchen. Stammst du auch von dort?

Nina: Geboren und aufgewachsen! Ist nicht die schönste Stadt, aber ich mag es hier.

Anne: Vervollständige diesen Satz: „Das Besondere an Gelsenkirchen ist…“

Nina: Das Besondere an Gelsenkirchen ist unser Nordsternpark. Er war ein früheres Zechengelände und wurde dann renaturiert. Jetzt kann man dort auf einer riesigen Fläche mit wunderschönen Halden und Wiesen mit den Hunden spazieren gehen und man ist raus aus dem Stadtleben und mitten in der Natur.

Der Shop ist schon bald fertig

Anne: Wie sehen deine Zukunftspläne aus. Wie geht es weiter mit Mad Yeti Creations?

Nina: Zuerst einmal möchte ich als nächstes Ziel meinen Onlineshop ins Leben rufen, in dem ich Schmuck in erster Linie für Veganer verkaufe. Ich produziere dafür schon fleißig (oh man, bald kann ich Rosenkohl schon wieder nicht sehen) und fotografiere meinen Schmuck was das Zeug hält!

Anne: Was steht bei dir heute noch an? Wie wird der Rest des Tages aussehen?

Nina: Ein paar Freunde und ich gehen heute noch eine vegane Currywurst in der Pommeserei3 essen. Das ist ein kleiner Laden in Duisburg, der richtig leckeres veganes Essen anbietet! Ich kann ihn nur empfehlen, falls du mal in der Nähe bist.

Anne: Das werde ich mir auf jeden Fall merken, die Adresse ist notiert! Nina, meine Liebe! Vielen Dank für deine Antworten! Das war wirklich ein tolles Gespräch, ich hoffe, dass wir das irgendwann wiederholen werden! Ich wünsche dir noch einen schönen Tag!

Nina: Danke, es hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich kann es nur noch einmal sagen: Ich freue mich riesig dich kennengelernt zu haben! Ich hoffe, wir sprechen uns bald wieder. Bis bald und auch dir einen wundervollen Tag noch!

Fußnoten:

Bis auf das Foto von meinem kleinen Kohlköpfchen stammen alle Bilder aus Ninas Privatarchiv. Im Titelbild ist sie mit ihrem Hund Vangos zu sehen.

Zu meinem Interview mit der veganen Buddhistin Johanna geht es hier entlang.

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