„Wear Your Own Bommel – Save lives“

Denise in Aktion - Foto: Norbert Zawe

Denise in Aktion – Foto: Norbert Zawe

Denise lernte ich vor ziemlich genau einem Jahr über eine vegane Facebook-Gruppe kennen. Damals unterhielt ich mich mit ihr über ihre Arbeit als Tierrechtsaktivistin. Doch die engagierte Frau aus Friedberg bei Augsburg hat noch jede Menge weitere Interessen und Projekte.

Ganz aktuell macht sie unter dem Logo WYOB vegane Häkelmützen und Accessoires für Jung und Alt. Dabei stehen „Nutztiere“ im Mittelpunkt. So findet man auf ihren Mützen u. a. Schafe, Hühner, Puten, Schweine und natürlich den Marderhund, auch Füchslein genannt, der als Logotier für WYOB fungiert.

10% der Verkaufserlöse für die Mützen werden an Lebenshöfe gespendet, denn die Rechte und die Würde der Tiere liegen der Veganerin besonders am Herzen.

Mit WYOB ist für Denise ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich habe mich mit ihr zum Interview verabredet.

Anne: Liebe Denise, schön, dass du dir die Zeit für das Interview nimmst! Wie geht es dir heute? Bei dir geht es ja immer sehr turbulent zu. Wo kommst du gerade her?

WYOB - Häkelmütze mit Kuhaufnäher

WYOB – Häkelmütze mit Kuhaufnäher

Denise: Es geht mir gut, ich bin voller Tatendrang! Ich komme aus meinem WYOB-Zimmer, wo ich neue Mützen mit dem Label versehen habe

Anne: Mit WYOB möchtest du in der heutigen Zeit ein Statement setzen. Welches genau?

Denise: Ich möchte Tiere, sogenannte NUTZ-Tiere, aus dem Dunkel holen. Ich möchte ein Bewusstsein wecken für ihre Schönheit, ihre Persönlichkeit, aber und vor allem auch für ihr Leiden. Das Statement heisst – kurz gefasst – FÜR DAS LEBEN.

Anne: Was bedeutet eigentlich WYOB? Wofür steht die Abkürzung und was bedeutet der Name genau?

Denise: WYOB bedeutet: „Wear Your Own Bommel – save lives„. Trage Deinen eigenen Bommel und rette Leben. Das ist entstanden, weil ich diesen unsäglichen Echtpelzbommeln ein Zeichen entgegensetzen wollte.

WYOB - Foto: Norbert Zawe

WYOB – Foto: Norbert Zawe

Anne: Das Fell des Marderhundes, der das Logotier von WYOB ist, wird ja sehr gerne für die Herstellung von Pelzbommeln und Pelzbesätzen verwendet. Anstelle eines Bommels hatten die ersten Mützen aus deiner Herstellung, die in Serie gingen, eine elastische Öffnung an der Oberseite, durch das die Trägerin/der Träger ihren/seinen Zopf/Dutt stecken kann. Ein schönes Statement gegen die Pelzindustrie „Ich brauche keinen Pelzbommel, ich zeige meinen eigenen Pelz!“ Liegt dir das Thema Pelze als aktive Tierrechtsaktivistin besonders am Herzen?

Denise: Pelz ist eines der vielen Themen. Aber ja, am Thema Pelz wird die Sinnlosigkeit des Leidens der Tiere besonders deutlich.

Anne: Wo und von wem werden die Mützen hergestellt?

Denise: Die Mützen werden hier in Friedberg von mir und einer weiteren Friedbergerin, die ich dafür eingestellt habe, hergestellt. Die Applikationen, Tiere etc. mache ich noch alle selbst. Momentan ist alles noch sehr jung, da wir erst vor zwei Monaten angefangen haben. Vieles muss noch auf Serientauglichkeit geprüft werden. Manche Mützen häkeln wir vier-, fünf Mal, bis alles passt.

Anne: Dann arbeitet ihr derzeit zu zweit an WYOB?

WYOB - Foto: Norbert Zawe

WYOB – Foto: Norbert Zawe

Denise: Momentan zu zweit, ich hoffe natürlich auf steigende Tendenz.

Anne: Bei mir daheim in Hamburg ist es ja von Januar bis Dezember windig und ich gehöre sowieso zu den Menschen, die das ganze Jahr über gerne Mützen tragen. Wo kann ich „mein“ WYOB-Modell denn käuflich erwerben?

Denise: Der Shop geht in Kürze online. Derzeit kann per PN über unsere Facebook-Seite1 bestellt werden. Auf diesem Weg ist alles noch sehr persönlich, was ich sehr schön finde, mal sehen, ob das auf Dauer so machbar ist.

Anne: Welche Materialien werden für die Herstellung der Mützen verwendet?

Denise: Für die Wintermützen benutzen wir eine Flauschwolle, die ist aus 100% Polyacryl, atmungsaktiv, sehr leicht und angenehm. Die Sommerversionen sind aus Baumwolle. Der Filz aus dem die aufgenähten Tiere hergestellt sind, ist ebenfalls zu 100% aus Kunstfaser, ebenso die Garne, die meist aus Baumwolle bestehen.

Anne: Denise, du bist ja selbst auch Veganerin. Wie lange lebst du schon vegan und was waren deine Gründe? Hattest du bei deiner Umstellung Vorbilder?

Polarfuchs - Foto: Norbert Zawe

Polarfuchs – Foto: Norbert Zawe

Denise: Ich bin – muss ich leider sagen – erst seit drei Jahren vegan. Direkte Vorbilder hatte ich keine, ich bin ja von jetzt auf nachher vegan geworden. Eine Tierrechtsaktivistin von der Tierrechtsinitiative Augsburg hat den Schlüsselsatz zu mir gesagt, als ich sie wegen der Streunerhunde und einem gemeinsamen Demotermin ansprach: „Alle (Tiere) sind wichtig.“ Ich nahm mir Infomaterial mit, unter anderem auch ein Bild, das ein Schwein hinter Gittern zeigte, sehr schmutzig und sichtlich verzweifelt. Darunter stand folgender Text: „Wenn ich gross bin, möchte ich Schnitzel werden.“

Ich klebte den Flyer an meinen Kühlschrank, den ich komplett von tierischen Inhalten reinigte. Zunächst wusste ich nicht wirklich, was ich essen sollte. Ethisch war für mich der Konsum von Tieren nicht mehr vertretbar. Das war ein Erdrutsch in meinem Leben und die beste Entscheidung, die ich je gefällt habe.

Anne: Du bist ein wahres Multitalent, hast Biologie studiert, bist Malerin, Kunsttherapeutin, Designerin, Bildhauerin und Aktivistin. Außerdem leben fünf Hunde bei dir. Bleibt da ab und an auch noch Zeit zum Durchatmen?

Denise: Nein, nicht wirklich. (lacht)

Anne: Eine Frage, die ich schon einigen Tierrechtsaktivisten gestellt habe, heute auch an dich: Wie erklärst du dir den Widerspruch, dass ein Großteil der Menschen das Tragen von Pelzen ablehnt, Leder aber für selbstverständlich gehalten wird? Leder ist doch auch Tierhaut!

Gut be(hütet)mützt

Gut be(hütet)mützt

Denise: Ja, da kommt wieder mal der Satz zum Tragen: Die werden ja sowieso geschlachtet. Nach dem Motto: Wenn sie schon ihr Leben geben, ist das in Ordnung, wenn sie ganz verwertet werden. Dem ist aber leider nicht so.

Anne: Wie konnte es überhaupt zu dieser, diesen Winter ganz stark wieder aufkeimenden, Pelzmode kommen? Beim Schlendern durch deutsche Innenstädte war es ja eine Zeitlang schier unmöglich, noch eine Jacke oder Mütze ohne Pelzbesatz zu finden. Wir haben vor ein paar Wochen ja sogar gemeinsam dagegen demonstriert2.

Denise: Zum Einen ist die Aufklärung über Pelze seit den 80er-Jahren, damals wurden Pelze ganz stark an den Pranger gestellt, stark zurück gegangen. Hinzu kommt, dass kaum noch komplette Mäntel und Jacken aus Pelz getragen werden, sondern eben nur Teile davon mit Pelz besetzt sind.

Das Labeling der Pelzbesätze ist mangelhaft, obwohl jeder, der es wissen will, fühlen, sehen und somit auch erfahren kann, ob der Pelzbesatz echt ist oder nicht. Es gibt auch sehr guten Fake fur, von Weitem mag man das nicht sofort erkennen, wohl aber sofort beim Anfassen. Die Pelztiere aus China, bzw. was von ihnen übrig ist und importiert wird, sind so billig, dass viele meinen, das kann nicht echt sein und aufgrund des Preises ihren Verstand ausschalten.

Anne: Die meisten Menschen wissen ja leider nicht mal, dass sie Echtpelz tragen, da das von der Pelzindustrie geschickt verschleiert wird.

Denise: Ich denke, dass wer wirklich GEGEN Pelz ist, bzw. das Tragen von Pelzen ablehnt, es wissen kann, egal wie geschickt die Industrie das zu Verschleiern versucht. Wir müssen einfach unsere Sinne einschalten: Im Sinne von Wear your own BRAIN!

WYOB - Foto: Norbert Zawe

WYOB – Foto: Norbert Zawe

Anne: Vor Kurzem berichtete ich für Vegan News über eine Jungdesignerin, die Pelzmode aus „Roadkill“, also aus überfahrenen Tieren herstellt, die sie selbst aufsammelt. Was ist davon zu halten?

Denise: Ist das notwendig? Brauchen wir Pelz? Und wer sieht von weitem, dass das mal ein überfahrenes Tier war. Und kann man dem toten Tier nicht auch seine Würde lassen? Das hat was von Leichenfledderei. Für mich nicht vertretbar.

Anne: Zusammen mit einigen Freunden hast du die Schweigedemo „Augsburg is(s)t vegan“ ins Leben gerufen. Daraus hat sich inzwischen in Augsburg eine ganze Bewegung entwickelt, während meiner Zeit in Augsburg habe ich davon einiges mitbekommen. Möchtest du uns erzählen, wie es dazu kam und wie sich das (aus Sicht der Gründerin) entwickelt hat?

Huhn - Wear Your Own Bommel

Huhn – Wear Your Own Bommel

Denise: Die oben erwähnte Tierrechtlerin Elke Skiba und ich haben vor allem diesen Schweigemarsch mit mehreren Kundgebungen ins Leben gerufen. Jedes Jahr werden es mehr Menschen. Wir wollten eine lebensfreundliche Demo darstellen, den Veganismus als Lösung vieler Probleme: Welthunger, Umweltverschmutzung, Wasser und natürlich die ethische Untragbarkeit der Tiernutzung in unserer Zeit.

Anne: Bist du zufrieden mit dem Feedback zu „Augsburg is(s)t vegan“?

Denise: Es gibt in Augsburg eine sehr rührige vegane Szene, die auch der jahrelangen Infoarbeit der TIA (Tierrechtsinitiative Augsburg)3 zu verdanken ist. Mit Infoständen und Kostproben klären engagierte, junge Leute seit Jahren mit sehr gutem Infomaterial Verbraucher auf. Es gibt viele verschiedene Events (z. B. „Peace Food Rocks“4), bei denen sich die Veganerinnen und Veganer regelmässig treffen und engagieren können. Das ist absolut wunderbar und ich bin froh, dass Augsburgs vegane Szene so gut vernetzt ist. Jede Bewegung trägt dazu bei.

Anne: Findest du das vegane Angebot in Augsburg gut? Was könnte noch besser werden?

Denise: Es kann nie genug geben. Wir müssten an jeder Ecke was zu essen finden können, so wie in Berlin. Augsburg go vegan like Berlin!

Anne: Erzähl uns etwas über Paul!

Paul - Foto: Thomas Zinnecker

Paul – Foto: Thomas Zinnecker

Denise: Ich habe eine Freundin, vegan und Tierärztin, die Abläufe im Schlachthof überwacht. Sie rettet regelmässig Tiere. Am 15.Dezember 2014 rief sie mich an und fragte, ob ich vielleicht Zeit hätte, ein Tier aus dem Schlachthof zu holen.

Ich habe schreckliche Angst vor diesem Ort. Ich hatte zuvor schon mehrfach davor gestanden, in München und in Augsburg. Da ich einen Hänger und ein Fahrzeug habe, sagte ich zu. Es handelte sich um ein 8 Wochen altes Stierkalb, Typ Allgäuer Braunvieh. Ausschuss der Milchindustrie. Ich besorgte alles, Rohmilch, Kälbcheneimer, Freundin zur Unterstützung, Anhänger.

Als wir dort ankamen, zitterten mir die Knie. Ich mussste „da“ reingehen, drumherum Metzger mit bluttriefenden weissen Plastikschürzen. Nicole, die Ärztin, hatte dem Kalb einen Strick umgebunden. Zu dem kleinen Kerl, der voller Panik war sagte sie: „Vertrau mir“. Das werde ich NIE vergessen. Sie übergab ihn mir und Paul und ich liefen zusammen im Höchsttempo vor diesem Ort davon, rauf auf den Hänger, Klappe zu – Sicherheit. Ich umarmte ihn und ich versprach ihm, mich um ihn zu kümmern. Das tat ich dann auch, bis er nach Hof Butenland durfte, dort ist Paul heute ein Star. Der Überlebenshof Hof Butenland5 ist für jedes gerettete Tier ein absoluter Hauptgewinn.

Anne: Eine Sache, die jeder für den Tierschutz tun sollte?

WYOB - Foto: Norbert Zawe

WYOB – Foto: Norbert Zawe

Denise: In erster Linie: Nachdenken im Sinne von Lebenserhaltung für ALLE

Anne: Dein nächstes Projekt?

Denise: Erst mal WYOB ohne Ende und dann Paulchen auf Hof Butenland besuchen!

Anne: Vielen Dank für dieses tolle Interview! Ich wünsche dir ganz viel Erfolg für Wear Your Own Bommel, alles gute für die Zukunft!

Denise: Ich danke dir, das hat sehr viel Spass gemacht!

Fussnoten:

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