Nächstes Mal lieber wieder zum Trödel

Nächstes Mal lieber wieder zum Trödel

Ein paar Monate lang habe ich gut erhaltene Bücher, DVDs, Blue Rays und CDs über Amazon Marketplace verkauft, bis mein Verkäuferzugang gesperrt wurde.

Kennt man mich, weiß man, dass ich sehr gut auf meine Sachen achtgebe, ein Buch wird bei mir niemals einen gebrochenen Rücken haben, CDs und DVDs stehen in der Vitrine und werden sehr sorgfältig behandelt.

Verkauft habe ich nicht nur Gebrauchtes, sondern auch ein paar neue DVDs und Blue Rays, die ich vor Kurzem noch gekauft habe, um beim Umzug Platz im Transporter zu sparen, blieb mir allerdings nichts anderes übrig, als sie wieder auszusortieren.

Neue DVDs und Blue Rays

Da ich schon vor Jahren mal über Amazon eine ganze Menge (Damals waren es CDs) verkauft hatte, entschied ich mich, meinen Verkäuferaccount dort zu reaktivieren und die Sachen dort einzustellen.

Damals hatte es noch keine Power-Seller wie z. B. Rebuy gegeben, die im großen Stil einkaufen und dann z. T. sogar versandkostenfrei Medien für ab 3 Cent verkaufen. Da konnte ich natürlich nicht mithalten, weshalb ich die CDs von vornherein vom Verkauf ausschloss, die lies ich dann direkt von Rebuy abholen.

Von Amazon werden einem pro Verkauf 3,- Versandkosten gutgeschrieben, Verkauft man nun z. B. ein etwas schwereres Fachbuch für 1,- kann man sich ausrechnen, was man als Verkäufer daran verdient. Genau. Nichts.

Gratiszugaben für die Kunden

Ich habe also alles ganz genau ausgerechnet, die Polsterumschläge online so günstig wie möglich bestellt und mit dem Verkaufen losgelegt. Dabei habe ich mir echt Mühe gegeben, ich habe in jedes Päckchen noch eine Postkarte mit einem persönlichen Gruß, in einige sogar Gratiszugaben mit rein gelegt.

Das Feedback war relativ gering. Bei Amazon sind die Kunden inzwischen Power-Seller gewöhnt und geben kaum noch Bewertungen ab. Insgesamt zählte ich bei rund 120 Verkäufen 12 Bewertungen, 8 davon sind positiv, der Rest vernichtend.

Zweimal kam es zu Beschwerden, die Ware sei beschädigt, die DVDs (Es handelte sich um eine neue Serienbox, ungeöffent) seinen völlig zerkratzt, das Buch sei zerlesen (ein neuwertiges, ungelesenes Exemplar), in beiden Fällen habe ich den Kunden den Kaufpreis zurückerstattet. Es bleibt einem ja nichts anderes übrig, man möchte ja keine schlechte Bewertung.

Benotung „Mangelhaft“

Am Ende bekam mein Verkäuferkonto dennoch die Benotung „Mangelhaft“, was bei Amazon zu einem sofortigen Ausschluss aus den Verkäuferreihen führt, das Konto wird gesperrt, man kann nichts mehr verkaufen.

Eine Dame (der ich ein sehr liebevoll verpacktes Päckchen mit Parfumpröbchen und Lesezeichen zum Roman gratis dazu) geschickt hatte, mahnte an, die Ware sei nie bei Ihr angekommen und machte ordentlich Trommelwirbel. Ob das Päckchen nun wirklich nicht ankam, oder etwas anderes passiert ist, ich kann es nicht sagen. Nach ihrer Bewertung konnte ich jedenfalls nichts anderes mehr tun, als zuzusehen, wie mir die Verkaufslizenz entzogen wurde.

Eine interessante Geschichte erzählte jüngst mein Bruder, dessen Mitbewohner ein nagelneues iPad auf Amazon eingestellt hatte, er hatte sich gerade eins gekauft, als ihn eine Gewinnbenachrichtigung erreichte. Das gewonnene Gerät wollte er verkaufen und stellte es als neuwertig ein. Eine Woche nach dem Versand erreichte auch ihn eine Beschwerdemail, das iPad sei defekt, der Kunde würde es umgehend zurückschicken.

Ein völlig defektes Gerät kam zurück

Wieder eine Woche später erreichte den Mitbewohner meines Bruders ein Päckchen. Darin: Ein völlig zerstörtes, verkratztes iPad mit gebrochenem Display, natürlich ohne Originalverpackung. Zusätzlich zu den Beschädigungen wies das Gerät außerdem jede Menge Gebrauchsspuren auf, es musste mindestens ein paar Monate im Einsatz gewesen sein.

Der Kunde war inzwischen über alle Berge. Die Freude über den Gewinn dahin. Von derartigen Vorfällen höre ich in der letzten Zeit immer häufiger, wenn ich die Leute auf mein Amazon-Schicksal hinweise. Ich für meinen Teil werde in Zukunft lieber wieder auf den guten alten Trödel gehen.

Hier ein Brief, den ich mir in einem Anflug von Schabernack erlaubte, einem Päckchen beizulegen, als es mit meiner Gesamtbewertung bereits bergab ging, eine Antwort darauf habe ich leider nie bekommen. Den Namen der Kundin habe ich natürlich abgeändert, damit hier alles schön anonym bleibt.

Liebe Sybille,

ein kleiner Hinweis in eigener Sache:

Leider habe ich als Privatverkäufer bei Ihrer Bestellung (Warenwert 75 Cent) draufgezahlt, ich habe nichts dadurch verdient. Durch Amazon werden mir für den Verkauf pro Artikel nur 3 Euro gutgeschrieben.

Da sie an eine Packstation bestellt haben, muss ich das Buch als Päckchen versenden, das Porto hierfür kostet 3,99 (+ 1 Euro für den Umschlag + Druckerpapier etc.).

Wenn ich das Buch an Ihr Privatadresse verschickt hätte, hätte ich es als Büchersendung für 1 Euro verschicken können, der Briefträger hätte es dann in ihren Briefkasten gesteckt, ich wäre somit bei meinen Ausgaben für die Sendung am Ende ungefähr bei Null rausgekommen. Leider kann man Büchersendungen nicht an eine Packstation schicken lassen, dies ist von der Post nicht vorgesehen.

Ich schreibe ihnen dies nur, um aufzuklären, mir ist das nun schon ein paar Mal so gegangen, ich denke, dass Amazon-Kunden hier einfach nicht Bescheid wissen.

Ich erwarte keine weitere Zahlung o. ä., ich möchte Platz in meinem Bücherregal machen und freue mich daher über jedes verkaufte Buch.

Vielleicht denken sie nur beim nächsten Einkauf bei einem privaten Anbieter daran, sich die Sendung nach Hause liefern zu lassen und vielleicht erzählen sie das auch ein Bisschen weiter.

Bitte entschuldigen Sie mein Schreiben, es ist nicht böse gemeint. Als kleines Geschenk zur Wiedergutmachung habe ich Ihnen noch das Buch „Kochen wie die Stars“, sowie ein Lesezeichen und eine Parfumprobe mit beigelegt. smile

Ich wünsche Ihnen sehr viel Spaß beim Lesen von „Lauf Jane, lauf“!

Ganz viele liebe Grüße aus A.

A.

PS: Vielleicht geben Sie mir ja eine positive Bewertung im Amazon Marketplace, ich würde mich sehr darüber freuen! smile

Von Amazon um eine Stellungnahme bezüglich meiner Kontosperrung gebeten, verschickte ich heute diesen Kurztext:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe die Ware noch am Tag der Bestellung verschickt. Da es sich um eine Büchersendung (wie von Amazon vorgesehen) handelte, war leider keine Nachverfolgung über die Seite der Post möglich. Alles Weitere liegt nicht in meiner Macht.

Ich habe bereits einen Antrag auf Schließung meines Seller-Kontos gestellt, weshalb ich auch nicht für eine Reaktivierung meines Accounts kämpfen werde. In Zukunft werde ich nicht mehr über Amazon Marketplace verkaufen. Immer wieder bekam ich ungerechtfertigte, negative, z. T. sogar bösartige Kommentare von Kunden, obwohl es sich bei den von mir angebotenen Büchern, DVDs und Blue Rays um sehr gut gepflegte, z. T. sogar neuwertige Ware handelte und ich immer sehr schnell beim Versand (immer noch am gleichen Tag) war, ja sogar noch kleine Beigaben, wie etwa Buchzeichen mit verschickt habe.

Bei einem Buch, für das man 1 Euro bekommt, an dem man nicht mal was verdient, weil die Versand- und Verpackungskosten wesentlich höher sind, als die erstatteten 3,-, lohnt sich das leider für mich nicht. Ich bitte sie um Klärung der Sachlage und um die Schließung meines Seller-Kontos.

Beste Grüße

A. R.

Dieser Artikel soll kein Aufruf sein, ich möchte niemandem etwas raten, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und ich möchte auch niemandem etwas unterstellen. Auch nicht Amazon mangelnden Service, ich glaube, dass das Marketplace einfach innerhalb kürzester Zeit zu etwas herangewachsen ist, das keiner mehr KONTROLLIEREN KANN. Daher keinerlei Vorwürfe. An niemanden. Ich wollte es mir lediglich mal von der Seele geredet haben.