Von Fischblase im Bier und Schweineborsten im Brot

Wer hätte gedacht, dass sich in Chips Wild versteckt?

Wer hätte gedacht, dass sich in Chips Wild versteckt?

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„Die kannst Du doch essen! Sind doch nur Kartoffelchips!“ Kartoffelchips mit Paprikageschmack. Das darin Wild enthalten ist, hätte ich mir vor ein paar Monaten auch noch nicht träumen lassen. Damals war ich noch Vegetarierin. Ob ich mich heute, hätte ich meine Ernährung zwischenzeitlich nicht umgestellt, noch als Solche bezeichnen würde, da bin ich mir inzwischen nicht mehr so sicher. 

Schon vor zwei Jahren habe ich mich über das Thema ziemlich aufgeregt, die ganze Tragweite war mir zu dem Zeitpunkt allerdings auch noch nicht bewusst. Damals fiel mir vielmehr auf, dass es in England schon länger eine freiwillige Kennzeichnung vegetarischer Produkte gibt, hierzulande jedoch nur wenige Hersteller dafür sorgen.

Neben Wild verbergen sich in Chips auch Fisch und Rindfleisch

Woher soll man denn als Verbraucher so etwas auch wissen? Steht ja nicht auf der Verpackung. Wieso so etwas möglich ist? Weil es keine Auszeichnungspflicht gibt. Neben Wild werden besagten Paprikachips z. B. auch Rindfleisch und Fisch zur Verstärkung des Geschmacks beigesetzt.

Die meisten Fruchtsäfte, Limonaden, viele Weine und Essigsorten, sowie einige Biere werden mit Hilfe von Schweinegelatine1 oder Fischblase geklärt, spanische Weine häufig mit Stierblut. Auch das ist auf der Verpackung natürlich nicht zu erkennen.

Schokolade enthält oft Schellack, wobei es sich um nichts anderes als die Ausscheidungen der Lackschildlaus handelt, rote Getränke oder Speisen haben ihre Farbe in vielen Fällen von dem darin enthaltenen Karmin, das aus getrockneten, zerriebenen Cochenille-Schildläusen hergestellt wird. ZDF WISO klärte auf:

Zum Entfärben von weißem Zucker wird Tierkohle aus Rindern und Schweinen verwendet. Für viele Menschen schon aus religiösen Gründen ein Stolperstein. Essig sowie Spirituosen wird sehr häufig das in zermahlenen Krustentierschalen enthaltene Chitin zugesetzt.1

Im Brot verbergen sich auch gerne mal Schweineborsten

Laugenbrezeln werden in den meisten Fällen mit Schweinefett hergestellt, viele Bäcker verwenden außerdem bei Broten und Backwaren und für das Einfetten von Blechen Schlachtfett statt Pflanzenfett. Außerdem verbergen sich darin auch gerne mal Schweineborsten. Daraus wird ein Wirkstoff hergestellt, der den Teig knetbarer machen soll. RTL berichtete:

Bei dem Ausdruck „geklärte Säfte“ denkt man an klare Säfte, nicht aber an die häufig trüben Direktsäfte. Auch diese können jedoch geklärt sein, das Fruchtfleisch wird dann nachträglich wieder zugesetzt. Dazu hier ein sehr aufschlussreiches Video:

Doch was tun? Wie erkenne ich, ob Getränke mit Tierischem geklärt sind und warum macht man das nicht mit Bentonit2, das geht doch genau so? Wie finde ich raus, ob auf meiner Schokolade Schellack ist?

Tierische Abfallprodukte sind einfach billiger

Schweineborsten im Brot - kaum zu glauben, aber wahr

Schweineborsten im Brot – kaum zu glauben, aber wahr

Die Warum-Frage lässt sich hier wieder mal schnell klären: Weil tierische Abfallprodukte wie das Schweinefett, aus dem die Gelatine hergestellt wird, einfach billiger sind. Herausfinden lässt es sich nur durch Produktanfragen.

Zum Glück gibt es das Internet, hier findet man viele Seiten, auf denen liebe Menschen ihre Produktanfragen zusammengetragen haben. Also am besten vor dem Einkaufen Tante Google fragen. Empfehlen möchte ich an dieser Stelle Vegan4Love3 und den veganen Einkaufsguide von PETA24.

Veganes Bier

Veganes Bier

Bei Getränken hat mir die App Barnivore5schon oft sehr geholfen, besonders bei Auslandsaufenthalten ist sie sehr praktisch. Es gibt sie für iPhone, Windows-Phone und Android. Hier kann man einfach den Namen des Getränks eingeben und die App sagt einem, ob man es bedenkenlos genießen kann. Leider klappt das noch nicht bei allen Getränken.

Auch die Scanner-App von Barcoo6 wird nach und nach immer mehr von fleißigen Veganern mit Informationen aus Produktanfragen gefüttert, bis man hier von Vollständigkeit sprechen kann, werden aber mit Sicherheit noch einige Tage ins Land gehen.

Getränke kann man auch leicht selbst herstellen, für mich gibt es im Moment nichts besseres, als ein schönes Glas Zitronenwasser oder einen leckeren Pfefferminztee.

Durch das Reinheitsgebot sind deutsche Biere zumindest innerhalb der Flasche vegan

Ein kleiner Tipp: Durch das hierzulande geltende Reinheitsgebot sind deutsche Biere nicht mit Fischblase geklärt. Hier muss man nur noch für sich selbst entscheiden, ob es OK ist, wenn der Kleber, mit dem das Etikett an der Flasche befestigt ist, tierischen Ursprungs ist. Hier ist häufig Kasein enthalten, eine Proteinmischung, die bei der Milchproduktion abfällt.

Hier eine kleine Liste veganer (Lieblings-)Getränke:

  • Club Mate alle Sorten
  • FruchtTiger
  • Neumarkter Lammsbräu
  • Bionade (allerdings sind hier die Etiketten kaseinhaltig)
  • Gaffel Kölsch
  • Rockstar Energy (Bis auf die Sorte „Zero Sugar“)
  • Aldi Süd Gartenkrone Apfelsaft naturtrüb
  • Amecke Grapefruitsaft
  • Alle NOW-Limonaden
  • Afri-Cola

Nicht vegan sind hingegen u. a.:

  • Guiness
  • Fanta Orange normal und light
  • Kinley Bitterlemon
  • Bulmers Cider
  • Sinalco
  • Eckes Traubensaft rot
  • Capri-Sonne
  • Lidl Freeway Apfelschorle
  • Merzinger klarer Apfelsaft
  • Milford Tees (Hersteller gibt keine Garantie, dass die Produkte auf allen Produktionsstufen ohne zur Hilfenahme tierischer Stoffe hergestellt werden)
Veganes kennzeichnen!

Veganes kennzeichnen!

Unter meinen Quellenangaben findet Ihr vollständige Listen. (PETA24, FitForVegan7).Bei gelben Limonaden kann man in den meisten Fällen von einer Klärung durch tierische Stoffe ausgehen.

Zusätzlich zu den von mir aufgezählten Seiten, gibt das Internet beim genaueren Durchforsten sicher noch viele weitere wertvolle Informationen her. Was man hier nicht findet, muss man eben erfragen.

Wir haben z. B. was Backwaren betrifft inzwischen komplett auf Selbermachen umgestellt. Wer dazu keine Muße/Zeit hat: Einige (v. a. Bio-)Bäcker haben inzwischen Listen ihrer veganen Produkte (wenn auch häufig unter der Theke oder im Rückraum versteckt), nach denen man nur fragen muss.

Eine Liste der Lebensmittelzusatzstoffe (auch E-Stoffe genannt) findet man bei Wikipedia8, die kann zumindest bei deklarierten Zusatzstoffen z. B. in Fertigprodukten eine ganz gute Entscheidungshilfe sein.

Bewusster Einkaufen macht Spaß!

Proteinreiche Kost ganz ohne Tierisches

Proteinreiche Kost ganz ohne Tierisches

Bewusster Einkaufen macht Spaß und hält jung, ansonsten gilt: Googeln, googeln, googeln, Produktanfragen bei Herstellern stellen und die Antworten in Foren und Facebook-Gruppen teilen und im Zweifelsfall: Einfach mal etwas im Supermarktregal liegen lassen.

Wir führen hierzulande ein Leben im Überfluss und es bedeutet sicher keinen großen Verzicht, die Paprikachips oder die Limonade einfach mal wegzulassen.

Außerdem gilt es natürlich weiterhin, für eine klare Auszeichnungspflicht von Lebensmitteln zu kämpfen, hier kann man z. B. die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch9 unterstützen.

Ob es wirklich möglich ist, komplett vegan zu leben, was es mit Tierversuchen auf sich hat und wo sich in unserem Alltag noch überall Tierisches verbirgt, möchte ich in der 10. und letzten Folge meiner Reportage „10 Fakten über Veganismus“ genauer beleuchten.

Mit pflanzlichen Grüßen

Anne heart

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Text und Fotos: Anne Reis cardamonchai.com

Dies ist mein privates Weblog, für Vollständigkeit oder Richtigkeit meiner Angaben übernehme ich keine Gewehr. 

Inhaltsverzeichnis „10 Fakten über Veganismus“

  1. Soja, Klimaschutz und ökologischer Fußabdruck
  2. Ich war so müde!
  3. Blutige Zahlen
  4. Vitamin B12 – Mythos und Fakten
  5. Pflanzenmilch? Wieso denn bloß?
  6. Wolle? Das kann doch gar nicht so schlimm sein!
  7. Honig? Das ist jetzt aber wirklich übertrieben, oder?
  8. Fakepelz = Echtpelz
  9. Versteckte tierische Inhaltsstoffe in Lebensmitteln
  10. Ich bleib dabei! Vegan macht Spaß!