10 Fakten über Veganismus – Teil I

Veganer setzen sich aktiv für den Umweltschutz ein

ökologischer Fußabdruck

Biogemüseanbau

Wie versprochen, habe ich 10 Fakten über vegane Ernährung für Euch vorbereitet. Fakten, die zum Nachdenken anregen. Fakten, die jedem von uns bewusst sein sollten.

Wie schon berichtet, werden mir seit meiner Ernährungsumstellung Fragen über Fragen gestellt, immer häufiger kommt es zu unsachlichen Debatten, ausgelöst von verständnislosen Omnivoren, die nur den Kopf über mich schütteln. Eine Kombination aus Selbstschutz, Verdrängung und schlechtem Gewissen, habe ich mir sagen lassen.

Selbstverständlich möchte ich niemandem so etwas unterstellen. Noch weniger möchte ich den Menschen, denen ich begegne, Unwissenheit vorwerfen. Meine Faktensammlung lege ich, wie schon kurz berichtet in erster Linie an, um meinen Wissensdurst zu stillen und Informationen sind dazu da, sie zu teilen. Was der/die Einzelne mit Ihnen macht, bleibt jedem/r selbst überlassen. Da bereits Fakt 1 ziemlich umfangreich geworden ist und noch 9 weitere hochinteressante Themen folgen werden, habe ich mich für eine Artikelserie entschieden. Das hier ist also Teil I. meiner „10 Fakten über vegane Ernährung“.

Vegane Ernährung ist gut für das Klima und für unsere Umwelt

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Vegane Zone

Sicher haben die Meisten von Euch schon mal das Plakat gesehen, auf dem Thomas D sich für eine pflanzenbasierte Ernährung ausspricht „Vegetarier sind Klimaschützer“. Auch meinen Kühlschrank ziert dieser Slogan seit Jahren. Doch warum eigentlich? Wie sieht es aus mit der CO2-Bilanz? Von Seiten der Omnis hört man ja auch immer wieder gerne, dass die Veganer schuld sind an der Abholzung des Regenwaldes. Weil die ja ständig Sojamilch in sich reinkippen. Die Wahrheit sieht ein kleines Bisschen anders aus.

Auch Fleisch aus der Umgebung sorgt für Wasserknappheit in Entwicklungsländern

Über 80 % der weltweiten Sojaernte wird zu Viehfutter verarbeitet. Was bedeutet, dass für die Fleischproduktion wesentlich mehr Sojapflanzen benötigt werden, als für unsere leckere, gesunde, eiweißreiche Sojamilch. Weitere Produkte, die aus Soja hergestellt werden sind z. B. Biodiesel, Kunststoffe, Kosmetika und Farben.

Aus lediglich 2 % des angebauten Soja werden tatsächlich Lebensmittel für Menschen hergestellt. Dazu zählt nicht nur Tofu und Sojamilch, sondern auch Margarine und Sojaöl, welches vielfach in Großküchen zum Braten und Frittieren eingesetzt wird.

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Biosojamilch

Die Sojamilch, die hierzulande in den Regalen der Geschäfte steht, stammt aus europäischem Anbau, man kann sich also sicher sein, dass hierfür kein Regenwald abgeholzt wird. Selbiges gilt übrigens auch für die meisten Tofuprodukte. Der Sojabedarf würde auf ein Minimum sinken, würde ein Großteil der Bevölkerung auf pflanzenbasierte Ernährung setzen.

Im Gegensatz zum „Sojamilch-Soja“ wird Futtermittelsoja zum größten Teil aus Südamerika, den USA und China importiert, wodurch sich die CO2-Emission für Fleisch (Stichwort Transport!) noch mal um ein Vielfaches vergrößert. Zudem sorgt der Anbau in den gerodeten Regionen für Wasserknappheit, die wiederum Hunger und Krankheit auslöst.

Veganer essen also nicht dem Essen das Essen weg, das Essen isst den Regenwaldbewohnern (Tieren und Menschen!) das Land und das Essen weg. Besonders plakativ wird das Ganze, wenn man daran denkt, dass für die „Herstellung“ einer Fleischkalorie 7 (!) Pflanzenkalorien nötig sind.

Was nicht bedeutet, dass Fleisch dadurch mehr Nährstoffe hat. Es beinhaltet im Durchschnitt ca. 20 % Eiweiß, Soja hingegen rund 40%!

Aus den entölten „Abfallprodukten“ der Sojaölproduktion können sehr gut z. B. Sojaschnetzel (deren Eiweißgehalt sogar bei rund 50 % liegt!) hergestellt werden, derzeit wird jedoch auch der Löwenanteil hiervon als Tierfutter verwendet.

1 kg Rindfleisch erzeugt so viele Treibhausgase, wie über 1.600 km Autobahnfahrt

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Kühe im Regenwald

Eine aktuelle Studie der Universität Wien unter Studienautor Kurt Schmidinger und  Elke Stehfest von der PBL Netherlands Environmental Assessent Agency hat z. B. ergeben, dass die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch, welches in Brasilien mit 335 Kilogramm CO2 (Kohlendioxid) „erzeugt“ wird, so viele Treibhausgase erzeugt, wie eine Autobahnfahrt über 1.600 Kilometer mit einem durchschnittlichen europäischen Personenkraftwagen. Die Bilanz fällt dort besonders schlecht aus, da sich die dortigen Weideflächen auf ehemaligem Regenwaldgebiet befinden. Wie die Vereinten Nationen berichten, gehen rund 70 Prozent der Abholzung des Regenwaldes im Amazonasgebiet auf das Konto von Weideflächen, der Rest bis auf einen kleinen Teil für den Futtermittelanbau.

Dicht gefolgt werden die brasilianischen „Fleischrinder“ von den irischen. An dritter Stelle befinden sich mit 22,1 kg CO2/kg, also 110 Autokilometern die niederländischen „Fleischrinder“, Rang 4 belegen die niederländischen „Milchrinder“.

Die Studie ergab auch, dass eiweißreiche pflanzliche Lebensmittel mit Abstand die besten Klimawerte aufweisen. So erzeugt die Herstellung von einem Kilo Tofu oder Tempeh aus Soja 3,8 bzw. 2,4 Kilo CO2, umgerechnet sind das 19 bzw. 12 gefahrene Autokilometer. Fazit Schmidinger: „Pflanzliche Lebensmittel schneiden unter Einbeziehung aller ethischen Aspekte der Welternährung und aus Klimaschutzgründen tatsächlich wesentlich besser ab als Tierprodukte.“(Quelle: VEBU)

Betrachtet man die Klimaschädlichkeit der verschiedenen Ernährungsweisen pro Kopf und Jahr, kommt man zu folgendem Ergebnis:

ökologischer Fußabdruck

Schaubild: Veggie Times April 2014

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Rinder stoßen Methan aus

Fleischesser haben also einen 7,5 x höheren CO2-Verbrauch für ihre Ernährung, als Veganer. Ein ganz schöne Unterschied. Wobei man dazu sagen muss, dass im Schaubild der Methanausstoß noch gar nicht vermerkt ist. Rinder stoßen am Tag bis zu 300 Liter Methan aus. Bei Methan handelt es sich um ein Treibhausgas, welches fast 30 mal klimaschädlicher ist, als CO2. Es trägt mit rund 20 % zum anthropogenen Treibhauseffekt bei. Etwa 37 % der weltweit anthropogen emittierten Methan-Menge stammen direkt oder indirekt aus der Viehhaltung, der größte Teil davon aus Fermentationsprozessen im Magen von Wiederkäuern. Das heißt übersetzt, dass 7,4 % des anthropogenen Treibhauseffekts auf die Methanemission von Wiederkäuern (also rein die Viehzucht, ohne Transport, der kommt noch dazu!) zurückzuführen ist. Man kann sich also ausrechnen, wie sich das zusätzlich auf den ökologischen Fussabdruck eines Fleischkonsumenten und somit auf unsere Umwelt auswirkt. (Zahlen: Wikipedia)

Der ökologische Fussabdruck – Die Auswirkungen

Im Netz gibt es die Seite „Footprint Deutschland“, die einen Rechner anbietet, mit dem sich jeder seinen persönlichen Fussabdruck errechnen kann.

Ich habe das für zwei Personen getan. Ich habe die beiden liebevoll Omni und Vegani getauft. Omni isst jeden zweiten Tag Fleisch, gelegentlich Fisch und täglich Eier, Milch und Butter. Fleisch und Fisch kauft er in Bioqualität. Vegani ernährt sich rein pflanzlich, isst kein Fleisch, keinen Fisch, keine Eier und keine Milchprodukte, lebt also ausschließlich vegan und kauft seine Lebensmittel in Bioqualität. Ihre Ernährung ist das Einzige, was Omni und Vegani unterscheidet. Ansonsten haben beide den gleichen Lebensstandard.

ökologischer Fußabdruck

Einfach mal wieder Fahrrad fahren

Beide leben in einem Wohnblock mit mehr als 4 Wohnungen, haben 80 Quadratmeter Wohnfläche, führen einen 2 Personen Haushalt, heizen mit Erdgas, haben im Winter eine Temperatur von 18 – 20 Grad in ihrer Wohnung, das Haus, in dem sie wohnen wurde seit 1995 nicht mehr saniert, sie beziehen beide zertifizierten Ökostrom, haben einen mäßigen Stromverbrauch, benutzen Energiesparlampen, schalten ihre Elektrogeräte nach Gebrauch immer ab, schalten beim Verlassen des Zimmers das Licht aus, sehen ca. 2 Stunden am Tag  fern, haben 3 Stunden am Tag ihren Computer eingeschaltet, ihre Stereoanlage 1 Stunde, lassen ihre Waschmaschine mehrmals in der Woche laufen, duschen ca. 30-60 Minuten in der Woche, heizen ihr Warmwasser nicht mit Strom, geben rund 50 – 100 Euro im Monat für Konsumgüter aus, benutzen Recyclingpapier, haben ein „Werbung und Gratiszeitungen nein Danke!“-Schild auf dem Briefkasten, geben im Monat 30-70 Euro für Kosmetikprodukte aus, kaufen sich alle 1-3 Monate ein neues Kleidungsstück, kaufen keine Secondhand-Kleidung, leeren ihren Müll 1-2 mal die Woche, trennen Papier, Plastik, Glas und Kompost, trinken hauptsächlich Leitungswasser und Tee, legen 4.000 km im Jahr mit dem Rad und zu Fuss zurück, 10.000 mit dem Auto und 500 mit dem Zug, nehmen 1-2 Personen mit, wenn sie mit dem Auto fahren, fahren nie Motorrad und legen am Tag unter 25 km mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück.

Und doch haben die beiden völlig unterschiedliche Footprints. Mit tierleidfreier Ernährung lässt sich also durchaus etwas für unsere Umwelt tun.

2 Personen, 1 Lebensstandard. 2 Ergebnisse, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Bei Omni, dem „Allesesser“ wird folgendes Ergebnis angezeigt: „Dein ökologischer Fussabdruck ist 4.78 Hektar (Wohnen und Energie: 22%, Konsum: 19%, Ernährung: 43%, Verkehr: 16%). Ein fairer Fussabdruck soll aber nur 1.8 Hektar groß sein. Denn wenn alle deinen Lebensstil haben, benötigen wir 2.66 Erden. Allein 1 kg Rindfleisch verursacht schon 13,3 kg CO2. Wenn du deinen Fleischkonsum um wenigstens 20% reduzierst, würde sich dein Fussabdruck um ca. 1500 m² im Jahr verkleinern.“

Bei Vegani, dem Veganer sieht es folgendermaßen aus: „Dein ökologischer Fussabdruck ist 3.5 (Wohnen und Energie: 38%, Konsum: 32%, Ernährung: 1%, Verkehr: 29%) Hektar. Ein fairer Fussabdruck soll aber nur 1.8 Hektar groß sein. Denn wenn alle deinen Lebensstil haben, benötigen wir 1.94 Erden.“

Für beide gilt übrigens der folgende Text, der jedem Teilnehmer im Anschluss an den Test angezeigt wird. „Für deinen Fussabdruck bist du nicht alleine verantwortlich. Deinem Fussabdruck wird auch ein kollektiver Fussabdruck zugeordnet, welcher den Ressourcenverbrauch für den Bau nationaler Infrastruktur zusammenfasst (z.B. Straßen, Krankenhäuser, öffentliche Gebäude). Durch den kollektiven Fussabdruck ist es nicht möglich, in Deutschland einen Ressourcenverbrauch zu haben, der unter den fairen 1,9 Hektar liegt. Rund 88,4 kg Fleisch isst der Deutsche durchschnittlich im Jahr.“

Was wieder einmal beweist, das ein kollektives Umdenken erfolgen muss und das am besten gestern, wenn wir unsere Natur nicht weiter systematisch zerstören wollen.

ökologischer Fußabdruck

Bild: naturschutz-sylt.de

Der deutsche Durchschnittsabdruck beträgt übrigens 5,1 Hektar und setzt sich zusammen aus Wohnen und Energie 25 %, Konsum 18 %, Ernährung 35 % und Verkehr 22 %. Wie man sieht, kann man hier mit veganer Ernährung schon ganz schön was erreichen, natürlich sollte man trotzdem daran denken, bei Kurzstrecken auf’s Fahrrad umzusatteln, nicht zu häufig zu duschen, Geräte immer komplett auszuschalten, nicht in den „Stand-by“-Modus und auch mal über eine Fahrgemeinschaft mit den Arbeitskollegen nachzudenken.

Die Zahlen, die ich für die Berechnung meines Beispiels genommen habe, sind nicht die einer realen Person, ich habe sie frei gewählt.  Wer sich selbst gerne mal testen möchte, kann dies jederzeit auf der Homepage von „Footprint Deutschland“ tun. Einfach hier klicken.

Bald gibt es Teil 2 meiner kleinen Serie 10 Fakten über vegane Ernährung. Ich freue mich, wenn Ihr mitlest! smile Hier gehts zu Teil 2 des Artikels

Text und Fotos: Anne Reis
Quellen: VEBU, Der Artgenosse, Wikipedia, Footprint Deutschland, Naturschutz Sylt

Inhaltsverzeichnis „10 Fakten über Veganismus“

  1. Soja, Klimaschutz und ökologischer Fußabdruck
  2. Ich war so müde!
  3. Blutige Zahlen
  4. Vitamin B12 – Mythos und Fakten
  5. Pflanzenmilch? Wieso denn bloß?
  6. Wolle? Das kann doch gar nicht so schlimm sein!
  7. Honig? Das ist jetzt aber wirklich übertrieben, oder?
  8. Fakepelz = Echtpelz
  9. Versteckte tierische Inhaltsstoffe in Lebensmitteln
  10. Ich bleib dabei! Vegan macht Spaß!