Die erste Etappe ist geschafft

Belohnung!

Belohnung!

Sechs Tage ist es her, seit ich das letzte Mal berichtet habe. Das bedeutet, dass ich seit 7 Tagen nicht mehr geraucht habe. Zeit für die erste Belohnung und für einen kleinen Rückblick. 

Was ich seit letztem Montag um 13:30 Uhr erlebt habe? So einiges. Und die halbe Schachtel, die ich um diese Uhrzeit in meine Schreibtischschublade gelegt habe, liegt dort immer noch. Ich habe sie kein einziges Mal angerührt. Ihr dürft also stolz auf mich sein.

Den Rest des Montags verbrachte ich voller Euphorie, weil ich ja gerade aufgehört hatte und vor allem auch, weil ich mich mit meinem Aufhör-Artikel ja selbst ganz schön unter Druck gesetzt hatte. Mir blieb also nicht viel Zeit, die Zigaretten zu vermissen.

Der Dienstag war schon anstrengender, im Büro gab es die ein oder andere Situation, in der ich gerne vor die Tür gegangen wäre, aber irgendwie habe ich es dann doch geschafft. Ein besonderer Moment für mich war, als meine Kollegin mit dem Schlüssel, Feuerzeug und Kippen in der Hand vor mir stand und mich mitnehmen wollte und ich sagte „Ich habe aufgehört“. Irgendwie hat mir das im Nachhinein betrachtet, schon ein Bisschen Auftrieb gegeben.

Früchtetee statt Nikotinpflaster

Früchtetee statt Nikotinpflaster

Was mir bis heute geblieben ist: Die Worte der Twitterer und RL-Freunde, die mich am Dienstag erreichten („Der Trick ist, dich zu freuen, dass du nicht mehr rauchen musst!„, „2 Tage waren hart, danach hat es seltsamerweise nie wieder gekribbelt.„) laufen seitdem Mantra-artig auf meiner Kopf-Festplatte in Dauerschleife.

Als es am Abend dann an die Organisation unseres anstehenden Umzuges ging, bei der einige Fragen noch nicht geklärt waren, wurde ich schon nervöser. Kurzzeitig machte ich mir Gedanken, ob es nicht besser wäre, wieder anzufangen, als den Herzmann derart anzuzicken. Das schlechte Gewissen überwiegte dann aber, ich entschuldigte mich für mein Verhalten, er reagierte äußerst süß und schon waren die Stinkedinger wieder vergessen.

Nachdem ich am Mittwoch die Arbeit ganz gut mit Früchtetee statt Kippen verbracht hatte, wurde es am Abend richtig haarig. Ich hatte mich mit einer guten Freundin von früher verabredet, die seit längerer Zeit in Istanbul lebt und nur noch sehr selten in Deutschland zu Besuch ist. Natürlich war ich aufgedreht, das kann man sich ja vorstellen. Als sie dann auch noch eine zweite Freundin aus dieser Zeit mitbrachte, die vor einiger Zeit nach Malaysia übergesiedelt war und von der ich schon in der Zeit davor aus den Augen verloren hatte, war es ganz um mich geschehen. Ich freute mich wie verrückt. Natürlich machten sich die beiden bei der Begrüßung gleich erst mal eine Zigarette an.

Eulen helfen immer

Eulen helfen immer

Wir setzten uns dann im Café an einen Tisch und plauderten über vergangene und aktuelle Zeiten. Jede von uns war sichtlich nervös und glücklich, die anderen wiederzusehen. Irgendwann begannen die Damen, Zigaretten zu drehen und im Anschluss etwas nervös auf ihren Stühlen zu rutschen. Ob ich auch mitkommen würde zum Rauchen? Nein, ich habe am Montag aufgehört. Geht mal ohne mich. Das beschäftigte uns eine weitere halbe Stunde, in der jede über ihre Versuche, das Rauchen sein zu lassen berichtete. Am Ende gingen die beiden sichtlich erleichtert vor die Türe. Ich bestellte mir lieber noch ein Sagrés. Und wartete.

Ein komisches Gefühl. Bisher kenne ich das nur andersrum. Meine Freunde sitzen in der Kneipe, ich stehe draußen und rauche. Nun saß ich drinnen. Dachte nach und checkte in aller Ruhe meine Mails. Ein Bisschen unruhig war ich schon, allerdings gab sich das schnell, als die beiden, ausgekühlt vom ersten Herbsttag, an den Tisch zurückkehrten. Und das erste Mal seit Jahren nahm ich bewusst wahr, wie man riecht, wenn man vom Rauchen zurückkommt. Ich würde sagen: Eher nicht so gut.

Was mich zum nächsten Tag bringt. Dem Donnerstag. An dem mir plötzlich alle Gerüche intensiver vorkamen als sonst. Mein eigenes Parfum. Das Mittagessen der Kollegen. Das Wetter. Der Kugelschreiber. Der Kaffee. Die Seife. Plötzlich roch es überall nach Keksen, Cola, Chanel, grüner Farbe, Staub, Herbstlaub, Ingwertee. Und im Aufzug nach Schweiß. Seitdem benutze ich auch die Treppe. Ob das Nikotin meine Geruchsnerven gelähmt hat? Ich bin immer noch damit beschäftigt, an allem zu schnüffeln. Und geht ein Raucher an mir vorbei, steigt meine Motivation.

Totale Reizüberflutung

Totale Reizüberflutung

Das war von Anfang an meine Hauptmotivation. Ich wollte nicht mehr stinken. Der Herzmann erzählt zwar immer, ich hätte nie nach Rauch gerochen, irgendwie kann ich ihm das aber nicht ganz abnehmen. Ob es motivierender währe, wenn er mir sagen würde, dass ich gestunken habe? Hm, ich weiß auch nicht. Ich bin nach einer Woche immer noch der Meinung, man kann sich eigentlich nur selbst motivieren. Menschen und äußere Einflüsse können das unterstützen, aber der Wunsch muss von einem selbst kommen.

Als ich letzten Mittwoch nach Hause kam, hatte ich irgendwie das Gefühl, eine Prüfung bestanden zu haben. Die nächste sollte am Donnerstag folgen, als wir mit einem guten Freund im Kino waren, mit dem ich schon immer gerne ein Kippchen geraucht hatte. Was dabei seltsam war: Den ganzen Tag dachte ich daran, wie schwer es werden würde, mir am Abend keine Kippe anzustecken und als Lui mir dann eine anbot, konnte ich ganz leicht ablehnen. Als er dann auch verlauten ließ, dass er stolz auf mich sei, konnte selbst der Absacker in meiner Lieblingsbar nach dem Kino den Schweinehund nicht hervorlocken.

Freitag halfen wir dann einer Freundin (Nichtraucherin) beim Umzug. Ich dachte zwar ein paar Mal ans Rauchen, hätte aber schon zeitlich ein Problem gehabt, das in die Tat umzusetzen. Samstag und Sonntag waren wir dann mit unserem eigenen Umzug beschäftigt. Zigarettenpausen wären bei dem Schweinewetter sicher ziemlich eklig gewesen. Dann lieber zwischendurch mit ner ordentlichen Tass Kaff im Bett ne Folge Battlestar gekuckt.


Klar, ich denke noch dran. Sogar ständig. Sonst würde ich auch diesen Artikel hier nicht schreiben. Aber ich versuche es jeden Tag, mich weiter zu motivieren. Die Wut, die schlechte Laune, der Drang lässt langsam schon ein Bisschen nach. Und ich fühle mich gut. Muss nicht mehr so oft an Eisenlungen denken. Bemerke, wie schnell ich aus der Puste bin. Ach ja: Ich habe mich mit dem Herzmann und Evelyn beim Sport angemeldet. Was ganz Neues.

Ob ich es für immer schaffe, kann ich nicht sagen. Im Moment fühlt es sich gut an. Manche Situationen kann ich mir auch jetzt noch nicht ohne Zigaretten vorstellen (Festival: Campingplatz, warten auf die Bands), aber die Bilder im Kopf verlieren auch nach und nach an Glanz.

Der Schweinehund hat heute (siehe Bild oben) das erste Geschenk von mir bekommen. Für eine Woche Abstinenz kann er sich jetzt „Six Feed Under“ mit mir ankucken. Wehe, die Serie ist nicht so gut, wie der Schweinehund behauptet hat. Dann kann das wollige Ungetüm sich auf was gefasst machen. tongue

Drückt mir die Daumen. Ich werde weiter berichten.