Ich bin Nichtraucherin

Hässlichstes Bild in meinem Blog bisher und in Zukunft

Hässlichstes Bild in meinem Blog bisher und in Zukunft

… und das seit ziemlich genau vier Stunden. Um 13:30 habe ich die letzte Kippe in den Sand des Aschenbechers vor dem Bürogebäude gedrückt. Jetzt meint Ihr sicher: Die spinnt doch. Nein, das tue ich nicht. Ich habe mir das ganz genau überlegt…

Wovor ich am meisten Angst habe? Nicht davor, es nicht zu schaffen und nachher gleich wieder anzufangen, sondern davor, Euch mit einem weiteren „Endlich rauchfrei-Artikel“ zu langweilen. Ich kenne die Dinger. Ich habe sie alle gelesen. Ich weiß auch, dass die einem nicht weiterhelfen, obwohl sie das natürlich vorgeben. Ich für meinen Teil habe gar nicht vor, jemandem zu helfen. Hierbei handelt es sich lediglich um einen Selbstversuch. Ihr dürft also gerne weiterlesen. Auch als Nichtraucher, eingefleischte Ichhörniemalsauf-Raucher, Einhörner oder Marathon-Enten.

Auch das Buch von dem Ami, den ich hier mit Absicht nicht namentlich erwähnen werde, habe ich gelesen. Der Mann, der sagt, es sei keine Sucht. Und man soll einfach aufhören. Jetzt und auf der Stelle. Am nächsten Tag habe ich mir eine neue Schachtel gekauft und weitergemacht.

Vielleicht ist es auch wirklich keine Sucht. Sondern eine Gewohnheit, die man sich zugelegt hat. Ein Tick. Whatever. Mich interessiert das nicht. Ich möchte einfach nicht länger stinken. In einer eisernen Lunge enden. Mit Leuten, die ich nicht kenne und seltsam finde, in der Kälte zwanghaften Smalltalk vorm Café führen. Gefragt werden „Willst Du nicht mal aufhören? Es wird doch sowieso immer teurer. Da hast Du doch einen tollen Grund! Mein Onkel, der ist ja damals an…“ – STOP! Es gibt einfach interessantere Gesprächsthemen als meine schlechten Angewohnheiten beim sonntäglichen Brunch mit Freunden.

Ich habe es schon mal geschafft. Ich habe 2 Jahre lang nicht geraucht. Heute kann ich mich daran kaum noch erinnern. Und erst recht nicht mehr daran, wie es war, als ich wieder angefangen habe. Die Bilderbuch-Nichtraucher aus den Artikeln erzählen hier immer von einschneidenden Erlebnissen. Ich hatte die jedenfalls nicht. Ich weiß nur noch, dass mir das Aufhören damals erstaunlich leicht fiel. Und, dass ich mich, besonders in der ersten Zeit extrem vor Rauch geekelt habt. Tagsüber habe ich nicht ans Rauchen gedacht. Nur manchmal bin ich nachts davon aufgewacht, dass ich geträumt habe, ich hätte geraucht. Und dann war ich immer ganz stolz auf mich, dass es nur ein Traum war.

Diese vage Erinnerung an ein erleichtertes Gefühl beim Aufwachen ist für mich einer der Gründe, es sein zu lassen. Was hat man davon? Man fördert Kinderarbeit? Unterstützt den Staat bei einer linken Masche? Atmet radioaktiv verseuchten Blausäure-Arsen-Teer-Mief ein? Lässt seine Freunde alleine im Café sitzen? Fährt in einem stinkenden Klapperauto rum, obwohl man sich schon vor Monaten ein neues Spritsparmodell hätte leisten können, hätte man das Geld nicht in dreckigen, verklebten Automaten versenkt?

Der fiese Schweinehund - Ist er am Ende gar nicht böse?

Der fiese Schweinehund – Ist er am Ende gar nicht böse?

Ich beginne, Euch zu langweilen. Ich weiß. Ihr kennt die Gründe. Daher komme ich besser schnell zum Punkt. Ich habe wochenlang überlegt. Die Stange aus dem Urlaub fertiggeraucht. Dann die Geduld verloren, die letzte Schachtel der Kollegin geschenkt. Mich aufgeregt und am nächsten Tag wieder eine Schachtel gekauft. Gegoogelt. Bilder angesehen. Bei den Szenen mit der Krebskranken in „Battlestar Galactica“ Beklemmungen bekommen. Gemerkt, wie traurig mir eine sehr liebe Person erzählt hat, nach dem Urlaub würde sie aufhören. Und an die kleinen Kinder gedacht, die sich in den Tabakplantagen mit Toxinen vergiften. Und ich habe das gemacht, was ich immer mache, wenn ich mich durch etwas durchquäle: Ich habe niemandem von meinem Vorhaben erzählt.

Schlussendlich habe ich entschieden: Warten bringt nichts. Und schweigen auch nicht. Tut man etwas ständig, was man eigentlich nicht tun will, ist das nichts anderes als lächerlich. Und ich möchte nicht rauchen. Ich habe keine Lust mehr, diesen Schatten aus der Vergangenheit noch länger mit mir herum zutragen. Denn genau das ist es. Richtig heftig angefangen zu Rauchen habe ich während meiner Ausbildung. Das kommt mir vor, als sei es Ewigkeiten her.  Damals gab es sogar noch Raucherabteile. Mensch, bin ich alt. Aber ich schweife ab, ich weiß. Ich wollte ja hier auf keinen Fall den Rahmen sprengen.

Ich erkläre Euch also nur noch kurz, was ich mir genau vorgenommen habe. Ich hoffe, es klappt (Herr amerikanischer Nichtmehrraucherguru, ich weiß, das soll man nicht sagen, aber ich schreibe es trotzdem, denn ich bin kein Motivationscoach, weder für mich selbst, noch für andere. Und ich will es auch nicht werden. Das überlasse ich Ihnen und Ihren zahlreichen Kollegen, die Ihr Buch abgeschrieben und ins Netz gestellt haben), drückt mir einfach die Daumen. Hier kommt also

der Plan

Bei meiner Recherche in den Untiefen des WWW stolperte ich über einen sehr kurzen Artikel, der sich von den anderen abhob. Es ging um Konditionierung. Belohnung. Die Zuckerbrot und Peitsche-Methode. Man schreibt einen Vertrag. Schreibt das Datum und die Uhrzeit rein. Und dann sind da natürlich noch die Zuckerbrote. Zum Schluss sucht man sich noch zwei Zeugen. Und vóilà: Fertig ist der Vertrag. Ich nenne ihn liebevoll „Mein Pakt mit dem Schweinehund“.

Mein Schweinehund bekommt von mir viele tolle Sachen gekauft, die ich dann zusammen mit ihm genieße und im Gegenzug hört er damit auf, mir eine stinkende Sucht einzureden. In dem Artikel steht, man soll den Vertrag im Büro oder an der Kühlschranktür aufhängen. Ich gehe noch einen Schritt weiter: Ich stelle ihn ins Netz. Und wenn ich es nicht schaffe, könnt Ihr mich alle öffentlich auslachen.

Es ist hart. Ich weiß. Eure Fanpost könnt Ihr also direkt an das Postfach zwischen Al Pacino und Bruce Willis senden. tongue Hier kommt

der Vertrag

Ich werde ab Montag, 09. September 2013 14:00 Uhr nicht mehr rauchen. Hier sind die Hauptgründe:
  • Gesundheit
  • Kinderarbeit
  • Spart Geld
Als Belohnung bekommt der Schweinehund folgende Zuckerbrote von mir, die ich im Anschluss genießen werde:
  • Nach einer Woche (16.09.13): Six Feed Under Season 1
  • Nach einem Monat (09.10.13): Ein Paar neue Stiefel
  • Nach drei Monaten (09.12.13): Eine Serienkomplettbox
  • Nach einem halben Jahr (09.03.14): Die Kette, die mir so gut gefällt
Mit dem gesparten Stinkezigarettengeld sollte ich das alles locker hinkriegen.
Wenn ich den Vertrag erfüllt habe, werde ich:
  • Einen weiteren Blogeintrag zum Thema schreiben
  • Mit dem Herzmann lecker essen gehen
  • Die Sucht besiegt haben

Gezeichnet

Anne Reko (auch i. A. des fürchterlichen Schweinehunds)

Zeugen

Evelyn (Meine liebe Arbeitskollegen, die seit 4 Jahren rauchfrei ist, und mich mit ihrer heiteren Art unterstützt, wo sie kann.)

Evelyn

Evelyn

Der Herzmann (Der noch nie einen Glimmstengel angefasst hat und heute Abend, beim Stöbern in meinem Blog völlig unvorbereitet von meinem Vorhaben erfahren wird.)

Der Herzmann

Der Herzmann

 

Klingt doch alles ganz durchdacht, oder? Ich bin auf jeden Fall schon ziemlich gespannt und gehe nun erstmal raus auf den Balkon. Den vollen Aschenbecher samt Inhalt wegwerfen.

Bis bald, ich werde weiter berichten!