Die ghanaische Post funktioniert. War schneller bei mir, als ein Päckchen aus Fulda, das am gleichen Tag rausging

Die ghanaische Post funktioniert. Diese Postkarte war schneller bei mir, als ein Päckchen aus Fulda, das am gleichen Tag rausging

Einen Bericht über die Zustände bei der Post und den dortigen (nicht vorhandenen) Service, habe ich mir bis dato verkniffen, aber nachdem ich gestern das hier gelesen habe und es dann nach meinem Erlebnis vom Freitag heute in der nächstgelegenen Postfiliale schon wieder zu einer Begegnung der dritten Art kam, kann ich nun einfach nicht mehr an mich halten.

Als Bloggerin pflege ich eine ganze Menge Kontakte, Leute schicken mir Pakete (Päckchen habe ich vor einiger Zeit aufgegeben, die kommen, ich vermute, weil sie nicht versichert sind, entweder komplett zerstört, mit fehlendem Inhalt oder überhaupt nie bei mir an) und ich schicke welche an sie. Außerdem habt Ihr ja wahrscheinlich schon mitbekommen, dass ich ein Faible für gute Musik habe und daher immer wieder die neuesten Schallplatten ordere. Natürlich auch, um sie für Euch bewerten zu können.

Naja, dann wäre da selbstverständlich noch die Mode, die Literatur (Ich versuche mich gerade am Umgang mit einem E-Book-Reader und hoffe, auf diesem Wege die Lust an haptischen Romanen zu verlieren, damit ich keine mehr bestellen muss, mal sehen, wo hin das führt) und die Lust am Kitsch die mich immer wieder dazu treibt, Sachen zu bestellen, die ich im Idealfall dann bei der Post abholen darf.

Mit Liebe verpackt

Mit Liebe verpackt

Als berufstätiger Mensch kann ich nämlich nicht 24/7 hinter der Gardine lauern und warten, ob der Postbote tatsächlich mal den Weg zu meiner Haustür findet. Denn klingeln tun die Herrschaften ja seit einiger Zeit auch nicht mehr. Ich habe das schon mehrfach (wenn ich mal einen freien Tag hatte) mitverfolgt. Die füllen einfach (im Idealfall!) eine Karte aus und werfen sie in den Briefkasten.

Aus diesem Grunde habe ich mir vor einiger Zeit auch schon einen Zugang für die hiesige Packstation organisiert. Sehr praktisch, dachte ich mir. Man kann einfach alles dort hinschicken lassen und dann nach Dienstschluss direkt gegenüber aus dem Fach holen.

Doch leider gestaltet sich das nicht so einfach, wie man vielleicht denkt. Briefe kann man schon mal gar nicht hinschicken lassen. Auch keine Einschreiben. Weshalb ich Konzertkarten und Einschreiben nach wie vor am anderen Ende der Stadt in einer Postfiliale abholen muss, an die alle versicherten Briefe und Einschreiben geliefert werden. Ich habe mal nachgefragt, an die Post in meinem Viertel dürfen die nicht geliefert werden. Warum auch immer. Aber vielleicht ist das auch besser so, warum werdet Ihr später erfahren.

Hier kommt leider selten Post an

Hier kommt leider nur sehr selten Post an

Weil die Packstation leider sehr oft kaputt ist, müssen die Pakete dann schließlich und endlich doch wieder in der Filiale abgegeben werden. Am schlimmsten war es, als vom persönlichen PIN auf eTAN umgestellt wurde. Ich musste wochenlang warten, bis ich meine Kontaktlinsen aus Fort Knox befreit hatte. Und das im Hochsommer. Die Blindschleichen unter Euch, können sich vorstellen, wie die Dinger danach aussahen.

Es ist ein Kreuz, sage ich Euch! Kennt Ihr das? Ihr regt Euch tierisch über etwas auf. So sehr, das Ihr es einfach nicht in Worte fassen könnt. Kennt Ihr, oder? ODER?!

Ehrlich gesagt weiß ich auch gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll, mich aufzuregen. Es krankt einfach an allen Ecken und Enden beim größten Logistikkonzern der Welt. Wahrscheinlich werde ich einfach noch ein Bisschen sinnlos vor mich hin tippen und den Artikel dann früher oder später online stellen.

Ich möchte damit auch nichts erreichen, das sollte ich vielleicht an dieser Stelle noch loswerden. Ich möchte niemanden anklagen oder verantwortlich machen. Ich denke, da ist einfach eine kleine Provinzfirma viel zu schnell gewachsen und hat jetzt Probleme mit neuen Medien und Technik. Da kann natürlich keiner der Mitarbeiter was dafür. Oder?

Ich möchte Euch eigentlich nicht mit langweiligen Beispielen nerven, ich habe auch so viele davon, das würde hier einfach komplett den Rahmen sprengen. Daher möchte ich mich einfach auf 2 Begebenheiten aus der jüngsten Vergangenheit und ein technisches Desaster beschränken.

Postfahrräder vor der Postzentrale

Postfahrräder vor der Postzentrale

Begegnung No. 1 trug sich am Freitag zu. Die Packstation war mal wieder defekt, worüber ich per E-Mail benachrichtigt wurde. Ich sollte mein Paket mal wieder in der Poststelle des Viertels abholen. Dazu sollte ich bitte meine Postkarte (die benötige ich zusammen mit der eTAN, die mir bei jeder Sendung, die erfolgreich in der Packstation abgeliefert wurde, zugesendet wird, um das dortige Postfach zu öffnen) und einen amtlichen Ausweis mitbringen. In weiser Voraussicht druckte ich mir die E-Mail aus und marschierte damit nach Feierabend zu besagter Poststelle.

Ich stellte mich in die Schlange. 8 Personen vor mir. Ich packte meinen E-Book-Reader aus und begann zu lesen. Madame Bovarie. Auch nicht schlecht. Als die Dame, die bereits bei meiner Ankunft als erste in der Schlange gestanden hatte, laut aufstöhnte, schaltete ich das Gerät aus, da ich mir schon denken konnte, dass da vorne irgendetwas schief ging und ich immer recht gesprächig werde, wenn Menschen unrecht getan wird oder sie von Dienstleistern geärgert werden. Eine Krankheit von mir, die ich wohl während meiner Zeit im Service eines Vollbedienungsgeschäftes entwickelt haben muss.

Immer wieder verschwand die Kassiererin (Ich sollte vielleicht dazu sagen: Die Poststelle befindet sich in einer Edeka-Filiale, die Kassierer werden im Wechsel immer wieder für den Postdienst eingeteilt und scheinen damit dezent überfordert zu sein) in ihrem kleinen Kabuff, in dem die Post untergestellt ist. Sie zuckte mit den Schulten und befördere genau nichts zu Tage.

Leider ausverkauft: Post für den Tiger

Leider ausverkauft: Post für den Tiger

So verstrichen weitere zehn Minuten. Irgendwann gab die arme Kassiererin entnervt auch. Sich fahrig den Schweiß von der Stirn wischend murmelte sie was von „Es kann nicht hier sein“ und drückte der inzwischen schon etwas entnervten Kundin eine Visitenkarte mit der Telefonnummer der Postzentrale in die Hand.

Die kenne ich schon ziemlich gut. Man bekommt sie immer, wenn die Postbeamten/Supermarktkassierer sich nicht mehr zu helfen wissen. Leider wird man unter dieser Nummer niemals jemanden erreichen. Ich habe das für Euch getestet. Ich habe mich einen ganzen Vormittag in der Warteschleife aufgehalten, bevor ich, dem Hörsturz nahe, irgendwann einfach auflegen MUSSTE. Es ging nicht mehr.

Die Dame schilderte noch kurz, dass es sich um wichtige Medikamente für Ihre Mutter handelten würde (Sie hatte eine ordnungsgemäß ausgefüllte Vollmacht der Post dabei, das hatte die Supermarktkassiererin ca. 10 Minuten lang eingehend geprüft) und verließ sehr zügig die Lokalität.

... sonst kommt der Fahrer von der Post nicht rein!

… sonst kommt der Fahrer von der Post nicht rein!

Die Dame vor mir in der Schlange bekam ihr Päckchen übrigens auch nicht. Ich war dran. Mit klopfendem Herzen näherte ich mich dem Tresen und erklärte der Dame meine Lage. Zuerst schien sie nicht zu verstehen, was eine E-Mail ist, nach ungefähr 5 Minuten von mir geschickt geführter Diskussion erklärte sie sich jedoch bereit mein Päckchen aus dem Rückraum zu holen. Sie verschwand.

Wieder verstrichen Minuten. Ich machte mir schon ein Wenig Sorgen. Ihr wahr doch wohl da hinten nicht der Kreislauf versagt? Da kehrte sie auch schon zurück. Abgekämpft und mit hochroten Kopf meinte sie, sie könnte es einfach nicht finden und wollte mir schon eine Karte in die Hand drücken.

Ich weigerte mich, zu gehen. Sie rief ihre jüngere Kollegin. Die Wartezeit für mich und die Herrschaften hinter mir in der Schlange verlängerte sich um weitere zehn Minuten.

Bis zu diesem Punkt war das alles nichts Neues für mich. Wie schon kurz erwähnt: Ich bin, was die Post betrifft echt abgehärtet. Aber was nun geschah, übertraf alles bisher da gewesene bei weitem.

Zuerst blaffte mich die junge Kollegin an (Sie kann nichts dafür! Das ist Vorschrift bei der Post!), ich solle mich doch gefälligst hinten anstellen. Die Schlange füllte inzwischen den kompletten Vorraum des Einkaufscenters, in dem sich die Edeka-Filale befindet. Ich schätze ca. 15 Personen standen hinter mir. Ich schilderte ihr meine Lage.

Ich bin inzwischen umgestiegen, damit ich mir keine Bücher mehr liefern lassen muss

Ich bin inzwischen umgestiegen, damit ich mir keine Bücher mehr liefern lassen muss

Sie zeigte Verständnis. Und bat mich EINZUTRETEN!! Sie hob das Brett über der Theke, ich trat ein und sie schob mich in den Rückraum. „Kuck doch einfach mal selbst nach! Vielleicht findest Du deinen Namen ja eher als ich!“, meinte sie. 20 Sek. später tauchte das Paket komischerweise genau neben dem Durchgang zur Ladentheke auf. Ich bekam es ausgehändigt (diesmal ohne Ausweiskontrolle, das variiert von Tag zu Tag) und verabschiedete mich. Noch ganz verwirrt, von dem, was da gerade geschehen war.

Am Samstag war ich kurz mit dem Herzmann dort, weil wir wieder mal einiges an Post aufzugeben hatten, wir sahen wieder, wie ein Kunde hinter die Theke gebeten wurde, um sein Paket zu suchen.

Doch damit nicht genug. Ich komme gerade wieder von besagter Edeka-Poststelle. Ganz vorne: Wieder eine Frau, die eine Karte mit der Telefonnummer der Postzentrale bekam. Ich konnte mich nicht mehr zusammenreißen, ging nach vorne und fragte die Dame, ob sie wieder mal die Pakete nicht finden würde und bat sie darum, ihre findige Kollegin wieder zu sich zu rufen, um ihr beim investigativen Teil ihrer Arbeit ein kleines Bisschen unter die Arme zu greifen.

Die Kassiererin motze, rief jedoch ihren Kollegen. Leider hatte sich die Kundin zu diesem Zeitpunkt schon vor Wut stampfend aus dem Staub gemacht. Sie musste wohl im Anschluss auch noch ein Einschreiben am anderen Ende der Stadt abholen. Die Filiale dort ist direkt am Hauptbahnhof, es erfordert schon einiges an Glück, dort zur Feierabendzeit einen der kostspieligen Parkplätze zu ergattern. Außerdem muss man bei den derzeitigen Baumaßnahmen auf der Strecke dort hin gut eineinhalb Stunden Fahrzeit einrechnen. Aber ich schweife ab.

Sie verstehen mich einfach nicht

Sie verstehen mich einfach nicht

Ich stellte mich wieder hinten an, um zu warten. Vor mir stand ein etwa 4-jähriges Mädchen in der Schlange. Unter dem Arm ein kleines Päckchen. Einen von diesen Luftpolsterumschlägen, die man für 3,60 verschicken kann. Die habe ich früher, bevor ich dazu gezwungen wurde, auf Pakete umzusteigen, selbst oft verwendet.

Ihre Mutter stand nebenan an der Bäckertheke und besorgte noch schnell ein Baguette. Zurückgekehrt, instruierte sie die Kleine, das Päckchen doch, wenn sie drankommen würde für sie aufzugeben. Sie würde noch schnell in den Drogeriemarkt düsen. Sie drückte ihr 4,- in 50-Cent-Münzen in die Hand. Warum ich so genau weiß, wie viel Geld es wahr, werde ich gleich berichten.

Etwa eine Viertelstunde ging ins Land, das kleine Mädchen kam an die Reihe. Sie legte der Kassiererin das Päckchen und das Geld auf die Theke und sah sie aus großen Kulleraugen an. Die Postfrau griff sich auch sogleich das Geld und schob es unter ihre Tastatur.

Plötzlich entfuhr es ihr: „Da fehlen ja noch 20 Cent!“ Das Mädchen zuckte mit den Schultern und schüttelte ratlos den süßen Blondkopf. Natürlich war ich sofort zur Stelle, um ihr auszuhelfen. Das Kind bedankte sich artig und schob die Münzen über die Theke. Die Dame nahm das Geld an sich. Ich schaute auf den Umschlag. Schaute auf das Kind. Schaute auf den Umschlag.

Da nahm die Postfrau die 4 Euro, die sie zuvor unter die Tastatur gelegt hatte und schob sie wieder rüber zu ihrer kleinen Kundin. „Die kannst Du behalten. Ich brauche nur noch die 20 Cent!“. Da sind schon Briefmarken drauf. Ich war so baff, dass mir schlicht kein Wort mehr einfiel.

Die Mutter kam um die Ecke, das Kind rannte in ihre Arme. Ich war an der Reihe. Natürlich war mein Paket nicht auffindbar. Als ich 10 Minuten später das Einkaufszentrum verließ, währe ich beinahe über eine Frau, die mit ihrem Tetrapack-Wein an ihrem Hund lehnte, gestolpert. Kaum zu glauben, aber wahr.

Nun hatte ich ja eigentlich noch vor, Euch von einem technischen Desaster, die Post betreffend, zu erzählen. Leider fehlt mir aber momentan die Kraft dazu, das Ganze zu rekapitulieren. Ich erzähle Euch einfach nur soviel: Ich habe ein Guthaben in Höhe von 10 Euro in Briefmarken bei der Deutschen Post, das ich leider nicht nutzen kann, da mir dort keiner den Zugang zu meinem Post-Account wieder öffnen kann, der aus mysteriösen Gründen leider nicht mehr zugänglich ist. Unter anderem soll ich eine Sicherheitsfrage beantworten, die zu stellen die Deutsche Post nicht im Stande ist.

Klingt verwirrend, ich weiß. Glaubt mir, das ist es auch.

Übrigens habe ich heute den folgenden Entschluss gefasst: Ich lasse mir meine Post ab jetzt einfach direkt ins Büro liefern. Mit Hermes.

Ende meiner Rede.

Ich möchte hiermit noch darauf hinweisen, dass mit „Post“ in diesem Text alles gemeint ist, was mit der Post und DHL in irgendeiner Weise zusammenhängt.

Hermes - Flo Comics Florian Fiedler 2011

Hermes – Flo Comics Florian Fiedler 2011

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