Es begann alles damit, dass Caro uns eines Abends in unserer geselligen Damenrunde mitteilte, dass Sie nach Bremen gehen und Journalismus studieren würde. Wir waren traurig, sie für lange Zeit nicht mehr sehen zu können und wünschten Ihr alles Glück der Welt und viel Erfolg. Und natürlich waren wir auch neugierig, was sie uns wohl erzählen würde.

Caro

Caro

Danach habe ich Caro für längere Zeit aus den Augen verloren, wir hatten für etwa 3 Jahre gar nichts mehr miteinander zu tun. Bis ich sie eines Tages in Facebook entdeckte und ihr schrieb. Wie froh war ich damals, endlich wieder mit ihr schreiben zu können! Und sie hatte ganz besondere Nachrichten für mich!

Sie war nach Istanbul, meine persönliche Stadt der Herzen aufgebrochen, um dort ein Erasmus-Semester zu verbringen. Was für ein Zufall! Ich war sogar zeitgleich mit Ihr dort gewesen! Hätte ich das gewusst, hätten wir sicher den ein oder anderen schönen Abend in Istanbul verbracht. Aber aufgeschoben ist schließlich nicht aufgehoben und nun da ich weiß, wo meine liebe Caro sich aufhält, werde ich sie sicherlich ganz bald dort besuchen.

Caro hätte Istanbul bereits nach 4 Monaten Erasmus wieder verlassen, wäre da nicht Özgür gewesen, in den sie sich Hals über Kopf verliebte und er sich in sie. Inzwischen wohnt sie bereits seit 2 Jahren dort.

In Istanbul lernte sie nicht nur ihre große Liebe, sondern auch ihre gute Freundin Marie kennen, die auch Ihr Erasmus-Jahr dort verbrachte. Gemeinsam mit ihr erkundete sie die Stadt. Sie unterhielten sich über die Veränderungen, die sie durchlebt hatten. Für Caro war am Anfang der hektische Straßenverkehr schrecklich, alles war laut dreckig, ungewöhnlich. Marie ging es da nicht anders und so beschlossen die beiden, diese Veränderungen auch bei anderen Erasmusstudenten zu dokumentieren.

Ein Semester in einem anderen Land ist etwas, das ihrer Meinung nach sehr großen Einfluss auf die Persönlichkeit hat und diese Veränderung faszinierte die beiden.

Marie arbeitete gerade bei einem Filmfestival in Istanbul und belegt gemeinsam mit Caro an der gleichen Uni einen Dokumentar- und Kurzfilmkurs. Marie möchte in dieser Richtung ihren Master machen und Caro ist ein echter Dokumentationsjunkie, sie schaut sich jede Doku an, die ihr in die Finger kommt.

So war der Entschluss ziemlich schnell gefasst, eine eigene Dokumentation zu drehen. Über das Leben der Erasmusstudenten im wundervollen Istanbul.

Caro bezeichnet Ihre Beziehung zu Istanbul als ausgeprägte Hass-Liebe. Sie liebt die Kultur, die Menschen, das Chaos und manchmal vermisst sie auch die Ruhe. Und das ist genau der Wechsel, den sie sich für Ihr Leben wünscht. Immer das gleiche Gefühl zu haben, das Gleiche zu erleben, das würde sie einsperren, ihr die Luft zum Atmen nehmen. Deshalb fühlt sie sich wohl in der großen, geschichtsträchtigen, lärmenden Stadt am Bosporus.

Filmszene

Filmszene

Als mich Caro letzten Sommer besuchte, brachte sie mir einen kleinen Teil dieser Stadt mit. Sie strahlte Istanbul aus. Und gleichzeitig war alles wie immer. Wie vor 10 Jahren, als wie jedes Wochenende gemeinsam tanzten, abhoben, Luftschlösser bauten und morgens um 7 nach Hause kamen, wenn unsere Nachbarn schon wieder aufstanden, um sich ihre Brötchen vom Bäcker zu holen.

Caros und Maries Dokumentation handelt von drei deutschen Studenten, die sich dazu entscheiden, Ihre Sachen zu packen und für ein halbes Jahr im Rahmen eines Austauschprogramms in Istanbul zu studieren. Ihre Erwartungen an die Kultur, die Stadt und die Erfahrungen, die sie von dort mitnehmen werden, unterscheiden sich voneinander. Ihre Horizonte werden jedoch in ähnlicher Weise von den neuen Bildern, Geräuschen und Eindrücken erschüttert. Sie werden innerhalb eines halben Jahres Teil einer Kultur, die anders ist, als ihre eigene, sie werden aufgenommen, in den Bann gezogen.

Im Fokus des Films stehen ganz klar die persönlichen Veränderungen, die die drei Protagonisten während ihres Aufenthaltes in Istanbul erleben. Zu Anfang war es Marie und Caro wichtig, drei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten zu finden. Jeder kam aus einem anderen Hintergrund und hatte komplett andere Erwartungen an die Zeit in Istanbul.

Da sie beide selbst ihr Erasmus-Semester in Istanbul verbracht hatten, war Caro und Marie klar, dass diese Zeit für die drei sehr prägend sein würde. Die Erwartungen und Wünsche, die man vor dem Beginn dieser Reise hat, verändern sich im Laufe des Aufenthaltes und weichen oftmals der Erkenntnis, dass nicht alles so ist, wie man es sich zu Anfang vorgestellt hat.

Die beiden schrieben also einige Universitäten in Deutschland an und fragten nach Studenten, die vorhatten, ihr Auslandssemester in Istanbul zu verbringen und Lust hätten, bei einer Dokumentation mitzumachen. Die Zuschriften häuften sich. Insgesamt meldeten sich 40 Studenten. Es fanden Interviews über Skype und E-Mail statt und so Özgür, Janina und Joanna, die drei Protagonisten des Films gefunden.

Um die Veränderungen, die die drei durchleben würden, genau aufzeichnen zu können, war es den beiden Filmemacherinnen wichtig, einen relativ engen Kontakt mit ihnen zu pflegen. Özgür holten sie am Flughafen ab, um die ersten Momente auf Istanbuler Boden festzuhalten, Janina trafen sie, nachdem sie sich ca. eine Woche lang in Istanbul aufgehalten hatte und Joanna nach ungefähr einem Monat.

Friedenstaube über dem Bosporus Anne Reko 2010

Friedenstaube über dem Bosporus Anne Reko 2010

Danach statteten sie den Dreien in regelmäßigen Abständen Besuche ab und nahmen an ihrem täglichen Leben teil. Der gesamte Zeitraum des Films umfasst eine Spanne von 4 Monaten – September 2013 bis Januar 2013.

Joanna hat ihren Aufenthalt sogar noch um ein Semester verlängert und ist erst im Mai 2013 wieder nach Deutschland zurückgereist.

Carolin und Marie werden jetzt mit ihrer Dokumentation die Filmfestivals bereisen, ihn parallel an verschiedene Universitäten schicken und ihn danach für die Öffentlichkeit freigeben. Ich durfte sie bereits ansehen und kann nur so viel sagen: Ein sehr gelungener Film, dem ich es wünsche, dass er die größtmögliche Aufmerksamkeit bekommt. Ich werde Euch auf jeden Fall auch weiter auf dem Laufenden halten, sobald er ausgestrahlt wird oder zum Download bereitsteht, gehört Ihr auf jeden Fall zu den Ersten, die das erfahren werden. Derzeit wird auch schon mit Hochdruck an einer Internetseite zum Projekt gebastelt. Wir dürfen also gespannt sein!

Über die beiden Filmemacherinnen:

Carolin Winterholler:

Nach zwei Semestern Erasmus 2011 – 2013 war die Lust an Istanbul noch immer nicht erschöpft und das wird sie wohl auch sobald noch nicht sein. Momentan arbeitet Caro als freiberufliche Übersetzerin und Journalisten in Istanbul

Marie Hartlieb:

Nach einem Erasmus-Jahr 2010 kehrte Marie wieder nach Deutschland zurück und kam im Jahr 2012 wieder nach Istanbul zurück, um ihre Arbeit bei Katadrom, einer Kunst- und Kultur-Organisation aufzunehmen.

Hier geht es zur Facebook-Seite des Filmprojekts Istanbul mit anderen Augen

Die Homepage befindet sich derzeit noch im Aufbau, kann aber schon besucht werden.

Hinweis zur aktuellen Lage in Istanbul und der Türkei

Das Bild stammt von einer der größten up to date fb/twitter Organisationen. Die zitrone ist steht als Symbol für das Gas, mit dem die Demonstranten vertrieben werden.

Das Bild stammt von einer der größten up to date Facebook/Twitter Organisationen. Die Zitrone steht als Symbol für das Gas, mit dem die Demonstranten vertrieben werden.

Ich arbeite schon länger an diesem Artikel zum Filmprojekt von Marie und Caro. Erst habe ich überlegt, ob ich ihn, ob der aktuellen Situation in der Türkei vielleicht lieber verschieben sollte. Ich entschied mich, das Gegenteil zu tun.  Mir ist es sehr wichtig, zu zeigen, um was für eine besondere Stadt es sich bei Istanbul handelt.

Derzeit gehen, was die aktuelle Lage betrifft, einige Fehlmeldungen durch die Presse. Hier besteht dringend Aufklärungsbedarf. Momentan arbeite ich mit Hochdruck an einem Interview mit Caro und Marie, die sich mitten im Geschehen befinden und mit Sicherheit am besten über die Situation berichten können und diese auch auf eine besondere Art einschätzen.

Als ich vorhin mit Marie gechattet habe, habe ich ihr davon berichtet, dass es hierzulande viele Leute gar nicht interessiert, was gerade in der Türkei los ist. Und das ist schlimm!

Mich macht das ganz unruhig, ich verspüre den Drang, die Menschen zu unterstützen. Am liebsten würde ich sofort aufbrechen. Marie erzählte mir, dass es ihr ganz genau so ging, und dass sie mich vollkommen verstehen würde. Sie befindet sich erst seit Sonntag wieder in Istanbul und konnte es nicht erwarten, dorthin aufzubrechen, weil sie die ganzen Meldungen über sämtliche Social Media Kanäle dermaßen aufgewühlt haben.

Hier noch eine kleine Nachricht an Euch, die mir Marie gerade schickte:

Marie

Marie

„Die Situation in Istanbul ist unglaublich ermüdend und motivierend zugleich. Es ist traurig, auf der einen Seite zu sehen, wie gewaltbereit die Polizei ist und wie wenig Erdogan auf die Proteste in seinem Land reagiert. Auf der anderen Seite ist es unfassbar schön, Menschen von unterschiedlichen religiösen und politischen Richtungen zusammenkommen zu sehen, um für Meinungsfreiheit und Mitspracherecht in der Politik zu demonstrieren. Die Atmosphäre jetzt in Istanbul, auf dem Taksimplatz ist sehr besonders, unreal, positiv. Die Leute wissen, dass sie Geschichte schreiben könnten. Ich hoffe, es bleibt friedlich und das Volk bleibt weiterhin Seite an Seite.“

Hier noch einige Informationen von Marie, wo man am besten unabhängige Nachrichten lesen kann:

Alyazeera
BBC
CCN International
Hier eine Facebook-Gruppe zum Thema
Hier Maries Favorit

Fotostrecken findet Ihr 

hier
und hier

Für den Moment werde ich es bei diesem kurzen Anhang zu meinem Artikel belassen, aber ich könnt Euch sicher sein: Ich werde auf jeden Fall weiter berichten!

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